Warum diese 5 Probleme mit Pferden auch ein Vorteil sein können!

„Was ist der Vorteil Deines Problems?“ Du fragst Dich jetzt sicherlich, was dies jetzt für eine blöde Frage ist und als ich kürzlich mit einer Schülerin sprach, kam mir der Gedanke, dass dies tatsächlich auch im Pferdebereich eine gute Frage ist.

Sie erzählte mir, dass in ihrem Stall die Leute fast alle, irgendwelche Problem mit Ihren Pferden hätten. Probleme beim Reiten, beim auf die Koppel führen, beim Longieren, beim verladen etc….. Sie hat dann angeregt, eine Trainerin zum Kurs oder Unterricht zu bestellen, alle hätten abgewehrt, da dies nicht notwendig wäre. Keiner der Betroffenen sah anscheinend eine Notwendigkeit etwas zu verändern und hier stellt sich dann oft tatsächlich die Frage, was ist der Vorteil von dem Problem? Denn wenn es keinen Vorteil gäbe, dann würde man doch Lösungen finden und etwas verändern wollen, oder?

Ich habe diese Frage in einem Seminar für Menschen gehört und im ersten Moment war ich dazu geneigt, das Ganze abzuwehren und als Unsinn abzutun und bei genauerem Nachdenken, sind mir dann viele Lichter aufgegangen, auch und gerade in Bezug auf Pferde und Menschen.

Mir ist absolut bewusst, dass ich heute ein sehr heikles Thema anspreche und dass womöglich Viele von Euch auf mich schimpfen werden, wenn sie dies lesen oder es erst gar nicht lesen werden. Ich behaupte hier auch nicht dass es immer und bei jedem so ist und sicher gibt es vielefältige Ursachen für Probleme, aber ich finde mich in den gleich folgenden Fallbeispielen schon hie und da wieder, wenn ich so meine Vergangenheit anschaue. Und vielleicht betrifft dies ja auch nur mich, keine Ahnung…..

Mein erstes Pferd war ein „Problempferd“ und mein zweites habe ich damals zu einem gemacht, aus Unwissenheit und ich hab mich damals gut damit gefühlt. Wer meinen Alibaba damals kannte, der wollte nichts mit ihm zu tun haben und viele hatten fast Ehrfurcht vor mir, dass ich diesen wilden Kerl reite. Ich wollte schon als Kind immer ein Pferd, das niemand reiten konnte außer mir und das hatte ich dann auch und ich war damals fast stolz darauf, wie töricht von mir.

Warum sollte ich einen Trainer hinzu ziehen, ich würde das schon irgendwie schaffen und mit diesem „Problem“ hob ich mich schließlich von anderen ab und bekam Bewunderung und Anerkennung geschenkt. Ein Pferd das alles macht was man sagt, das war aus meiner damaligen Sicht doch langweilig, ohne Nervenkitzel, das konnte doch jeder. Erst als es völlig ausuferte, holte ich mir 1995 professionelle Hilfe und kam so zum Horsemanship(dafür war dieses Problem auf alle Fälle auch gut). Ich weiß also selbst, dass ein „Problem“ auch Vorteile haben kann und wenn es nur eine Sichtweise ist, ein Standpunkt.

Es ist hier natürlich viel leichter beim Gegenüber solche Muster zu erkennen, als bei sich selbst und hier fallen mir sofort viele Beispiele ein. Es gibt ja hier vielerlei Probleme bei z.B. Menschen: Krankheit, Geldmangel, Zeitmangel usw….könnte es tatsächlich sein, dass man sich mit dem Problem vor einer Situation schützen will, wenn auch nur völlig unbewusst?

Könnte es sein, dass der Körper Krankheiten kreiert um den gehassten Beruf nicht mehr ausüben zu müssen? Oder um neue Lösungswege zur Heilung zu finden?

Könnte es sein, dass der Körper Migräne bekommt, damit man nicht zu der Abendveranstaltung gehen muss oder Abstand vom Partner bekommt?

Könnte es sein, dass der Körper Grippe bekommt, um mit der Masse gehen zu können, denn wenn man als Einziger gesund wäre, dann wäre man ja ein Außenseiter und könnte nicht mit reden?

Könnte es sein, dass man sich Geldmangel kreiert um ständig arbeiten zu müssen und nicht in der ungeliebten Beziehung daheim verbringen zu müssen, oder um mitjammern zu können?

Könnte es sein, dass man Zeitmangel kreiert um nicht zu Geburtstagen oder anderen Feierlichkeiten gehen zu müssen, zu denen man eh keine Lust hat?

Usw.usw…….

Und dann habe ich diese Fragen zu Problemen bei den Pferden gestellt und wenn man da mal von außen drauf schaut, dann stellen sich folgende Fragen, die oft im ersten Moment abgewehrt werden:

  1. Das Pferd geht nicht in den Hänger: Könnte es sein, dass der Vorteil dieses Problems der ist, dass man dann auch nicht weg fahren „muss“? Dass man keine Wettbewerbe besuchen „muss“? Dass man quasi selbst im tiefsten Innern gar nicht weg fahren will? Oder ist der Vorteil, dass man immer Hilfe braucht und somit Aufmerksamkeit von Anderen bekommt? Oder ist der Vorteil hier, dass man sich mit dem Thema beschäftigt um es zu lösen und dadurch mehr Wissen bekommt, dies könnte überall zutreffen, auch bei den folgenden Punkten
  2. Das Pferd lässt sich nicht reiten: Könnte es sein, dass da etwas in uns gar nicht reiten will? Vielleicht ein Gefühl der Sicherheit, dass sich beim reiten bedroht fühlt?
  3. Das Pferd ist krank: Könnte es sein, dass der Vorteil hier wäre, immer einen Grund zum jammern zu haben und um seine Zeit komplett in die Heilung des Pferdes zu stecken?
  4. Das Pferd kommt nicht mit andern Pferden klar. Könnte es sein, dass mir dies erleichtert, das Pferd zu separieren oder als Entschuldigung für mich selbst, damit ich es in der Box halten kann?
  5. Das Pferd hat ein Problem damit, mit andern Pferden in der Halle zu laufen. Könnte es sein, dass man lieber alleine reitet und somit einen Grund dazu hat?

Ich könnte hier noch unzählige Beispiele aufzählen, doch ich denke es ist schon rüber gekommen, worauf ich hinaus will. Der Vorteil eines Problemes könnte sehr vielfältig sein und führt im Besten Falle dazu, dass man seinen Horizont erweitert auf der Suche nach Lösungen, dass man sich Wissen zu eigen macht, dass man sonst nie erworben hätte.

Vielleicht sollten wir uns bei unseren Problemen mit Pferden und auch im „richtigen“ Leben immer mal die Frage stellen „Wofür ist dieses Problem gut?“ oder auch „Wovor bewahrt mich dieses Problem?“ Und nicht immer, aber sicher öfter, wenn man tief genug gräbt, dann findet man tatsächlich etwas, das man nie gedacht hätte. Vielleicht mag der Ein oder Andere mal am Wochenende in sich gehen und darüber nachdenken, denn wenn ich meine Muster und Programme im Unterbewusstsein erkenne, dann habe ich auch die Möglichkeit diese zu verändern, wenn ich es will.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel