Warum es so wichtig ist die Komfortzone Deines Pferdes zu vergrößern!

„Wer das tut, was er immer getan hat, bekommt das, was er immer bekommen hat!“ dieser Spruch begleitet mich schon über 20 Jahre und ich muss ihn mir immer wieder bewusst machen. Jede Woche lerne ich Menschen kennen, die tatsächlich die Überzeugen haben, alles beim Alten lassen und in Ihrer Komfortzone bleiben zu können und dennoch neue Ergebnisse zu erzielen….wenn Du auch zu Jenen gehörst muss ich Dich enttäuschen – das geht nicht!!!!!

Weder mit Pferden noch im „richtigen“ Leben ist dies möglich und leider müssen oft sehr einschneidende Dinge passieren, bis uns das bewusst wird und wir die Bereitschaft haben dies zu ändern.

Auf meine Seminare kommen in erster Linie 2 Personengruppen, die einen, die ein Problem mit ihrem Pferd haben und dies lösen möchten und die anderen, die einfach „nur“ Inspiration suchen.

Zuerst einmal ist es für mich immens wichtig, die „Wahrheit“ heraus zu finden, die Wahrheit über Mensch und Pferd, die da Unterstützung bei mir suchen. Wie finde ich diese Wahrheit heraus?

Ich stelle Aufgaben und setze Reize, die sich Stück für Stück an die Komfortzone der beiden heran tasten und dabei kann es sein, dass ein scheinbar völlig „braves“ Pferd plötzlich ein ganz anderes Gesicht zeigt, da es nicht gewohnt ist seine Komfortzone zu verlassen. Oft ist dieses Pferd schon lange Zeit im Besitz und „scheinbar“ unauffällig und brav. Ich betone „scheinbar“, denn ich habe durch die Pferde-Erfahrung der letzten 32 Jahre herausgefunden, dass sich Menschen und Pferde so lange „brav“ und unauffällig verhalten, wie sie sich noch in ihrer Komfortzone befinden und niemand am Lack kratzt.

Oft kommt diese Wahrheit durch einen tragischen Zwischenfall/Unfall zum Vorschein, der hätte vermieden werden können, wenn man vorher die Komfortzone erweitert hätte.

Damit Du besser nachvollziehen kannst was ich meine, ein Beispiel aus der Praxis. Norbert besitzt seit 5 Jahren den Wallach Max mit dem er ab und zu ein Springturnier geht, sich reiterlich weiterbildet und auch ausreitet. Er kommt fast jeden Tag in den Stall und reitet 3-4mal die Woche in der Halle oder auf dem Platz. Dort „funktioniert“ das Pferd ganz gut und das Pferd kann man auch verladen und aufs Turnier fahren…, von der Psychologie eines Pferdes, wie diese denken, wie sie lernen und agieren weiß Norbert nicht so viel.

Norbert ist schon 20 Jahre in der Reiterwelt, kann sich gut auf dem Pferd halten und viele sehen ihn sogar als „alten“ Hasen. Durch Freunde erfährt er von mir und besucht aus Neugier mit seinem Wallach Max einen Grundkurs bei mir(ja er hätte gerne eine „bessere“ Beziehung und Kommunikation mit Max und würde sich etwas mehr Sensibilität bei ihm wünschen). Nach der Theorie am ersten Tag bringen wir die Pferde mit in die Halle und sein Wallach Max scheint wohlerzogen und manierlich, er wirkt etwas unmotiviert und faul, fällt aber sonst nicht weiter auf, ausser dass er nur so viel macht wie unbedingt notwendig.

Am nächsten Vormittag dann, stelle ich den Teilnehmern mit ihren Pferden die Aufgabe, sich anzuschauen, wie viel Mühe sich das Pferd gibt, wenn sie es für Bewegung fragen. Die Aufgabe ist es, die Komfortzone des Pferdes zu erreichen und ggfls. ein kleines Stück weit zu überschreiten. Allerdings fragen wir nicht gleich für Vorwärtsbewegung, sondern zuerst rückwärts und seitwärts.

Das hat der Wallach von Norbert noch nie tun müssen, sich wirklich Mühe geben für ihn, aufmerksam sein, motiviert und schneller rückwärts-und seitwärts-Bewegungen ausführen….das kannte der Wallach nur aus der Pferdeherde, aber nicht von Menschen, schon garnicht von Norbert….ja unter dem Sattel da musste er schon mal mehr leisten im Parcours, aber auch da kam der Wallach immer mal an den Punkt, dass er ein Hindernis verweigerte und keinen Bock mehr hatte. Aber war das nicht „normal“ ?

Was passiert wenn ich die Komfortzone überschreite bei einem Pferd? Das ist verschiedenartig und kommt auf die Persönlichkeit des Pferdes an….während das eine Pferd ängstlich und voreingenommen wird, kann das andere Pferd ungehalten und sogar aggressiv werden. (Bei Menschen übrigens ähnlich)

Ist es dann besser innerhalb der Komfortzone zu bleiben? Das lässt sich so einfach nicht mit ja oder nein beantworten. Wenn Du die Wahrheit herausfinden und verändern willst, dann ein klares NEIN….wenn Du jedoch Angst vor der Wahrheit hast und nichts verändern möchtest, dann JA!

Bei Max stellte sich heraus, dass er gerne bis zu einem gewissen Punkt mit machte, aber wenn er dann für mehr gefragt wurde, z.B. longieren in schnellerer Gangart, dann kam die Wahrheit unverblümt zum Vorschein und er bockte und trat nach Norbert aus oder versuchte sich loszureißen. Norbert fand das zwar nicht schön, aber auch nicht so respektlos wie ich es bewerten würde. Hauptsache man konnte auf Max gut reiten.

Ich frage an dieser Stelle gerne: „Wenn du weißt, dass bei Deinem Auto die Bremsen defekt sind und das Getriebe rattert, fühlst Du Dich dann gut bei dem Gedanken wenn Du weißt, dass Du 300 km Fahrt vor Dir hast?“

Die meisten werden diese Frage sicher mit NEIN beantworten, sehen  jedoch kein Problem, wenn es sich statt einem Auto um ein Pferd handelt, denn dieses darf ja schließlich auch seine eigene Meinung haben.

Als es dann ans Verladetraining geht, zeigt mir Norbert ganz stolz wie sein Max in den Hänger geht. Und als er wieder heraus kommt und ich ihn frage, ob er ihn nochmal in den Hänger schicken könne(Stichwort Komfortzone), da entpuppt sich eine ganz andere Seite bei Max. Er hatte keine Lust ein weiteres mal in den Hänger zu gehen, warum denn auch, schließlich war er sein Leben lang in den Hänger gestiegen und brav weg gefahren und ja bei der Ankunft am Zielort ist er sehr eilig ausgestiegen, aber nie musste er zwei mal hintereinander in den Hänger steigen, warum heute?

Dies war eine Unterbrechung eines auswendig gelernten Programmes und hierzu fehlte Max die Bereitschaft und überhaupt war dies schon weit über seine Komfortzone hinaus, was wir da alles von ihm wollten.  Norbert wird ärgerlich(auch seine Komfortzone ist erreicht), insgeheim erkennt er seine Schwächen mit Max und dass er mit ihm nie über die Komfortzone hinaus gearbeitet hat, aber dann denkt der sich auch, warum das alles, schließlich lässt er sich doch gut reiten, braucht man das alles überhaupt? Und jetzt geht er nicht mal mehr in den Hänger…..

An dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten wie die Geschichte von Norbert und Max weitergeht. Ich kenne beide aus der Realität der letzten 20 Jahre Trainertätigkeit.

Möglichkeit Nr. 1: Norbert ist stinksauer, dass er plötzlich Probleme mit Max hat, die vorher nicht da waren (zumindest aus seiner Sicht) und verlässt den Kurs mit schlechtem Beigeschmack, er fühlt sich als Opfer, macht weiter wie bisher oder ändert ein paar Kleinigkeiten und nach einer Weile haben sich Norbert und Max wieder in ihrer alten Tretmühle eingelebt, beide sind wieder in ihrer Komfortzone und Norbert achtet darauf diese nicht zu verlassen.

Möglichkeit Nr. 2: Norbert fällt es wie Schuppen von den Augen, er erkennt, dass er um „höhere“ Ziele mit Max zu erreichen seine eigene Komfortzone und die seines Pferdes vergrößern muss. Er erkennt auch, dass er kein Opfer, sondern Schöpfer seiner Realität ist, er hat die Macht und Fähigkeit alles zu verändern. Er fährt heim und übt fleißig mit Max und fährt wenige Wochen später zu einem Aufbaukurs. Max ist nun schon ein völlig anderes Pferd und bereit viel mehr Leistung für Norbert zu bringen, am Boden und unter dem Sattel(obwohl wir im Grundkurs noch garnicht geritten sind) er verweigert kaum noch Hindernisse und Norbert hat daheim ein Hängertraining mit Max absolviert. Er kann ihn nun frei in den Hänger schicken und eine Minute stehen lassen, wieder herausholen und erneut hinein schicken.

Max ist bereit fast alles für Norbert zu tun ohne ärgerlich zu werden…..er ist kooperativ und bemüht um nicht zu sagen hoch motiviert, er findet nun endlich die Führung in Norbert, die er als Persönlichkeit braucht, und wenn die Beiden diesen Weg weiter gehen, dann werden wir sie bald beim silbernen Horsemanshipabzeichen sehen, ohne Sattel, ohne Zaumzeug, mental und emotional verbunden, in Harmonie und Leichtigkeit in allen Gangarten und sogar über Sprünge…“denn wer das tut, was er noch nie getan hat, wird das bekommen, was er noch nie bekommen hat!“

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel

Welchen Vorteil hat es, ein ängstliches Pferd zu haben!

Du wirst das Thema des heutigen Tages vielleicht etwas skeptisch gelesen haben, deshalb möchte ich mit einer allgemeingültigen Aussage beginnen um zu unterstreichen was ich ausdrücken möchte: „Menschen in Angst sind leichter zu führen als Menschen die Mutig sind.“ dies kann man überall nachlesen und in der Realität beobachten, dass ein Individuum mit Angst leichter zu führen ist, als eines mit Mut und Selbstvertrauen.

Für mich persönlich sind zwei Kriterien im Umgang mit Pferden (und Menschen) enorm wichtig, nämlich erstens, wie mutig  und vertrauensvoll das Pferd ist und zweitens, wie respektvoll es ist. Respekt und Vertrauen sind die Basis jeder Beziehung, egal ob mit Tieren oder Menschen, egal ob beruflich oder privat.

Würdest Du jemandem vertrauen, den Du nicht respektierst?  Oder würdest Du jemanden respektieren, dem Du nich vertraust?

Beides gehört einfach zusammen.

Viele denken, dass es ein Segen ist, wenn man ein mutiges und vertrauensvolles  Pferd hat und ich persönlich bin für mich überzeugt, dass dies tatsächlich ein echter Segen ist, WENN man auch den Respekt des Pferdes hat und dies ist oft nicht der Fall, wie ich immer wieder beobachten kann.

Wirklich mutige Pferde brauchen oft niemanden, weder Mensch noch Pferd, sie gehen einfach ihren Weg und entscheiden selbst, sie sind nicht auf Dich als Führungsperson angewiesen. Das ist bei Menschen übrigens ähnlich und vielleicht schaust Du Dir mal an, welche Menschen Du im Leben anziehst und vom wem Du angezogen wirst? Und welche Pferde?

Ängstliche und unsichere Pferde machen oft den Anschein sehr respektvoll zu sein und sensibel, doch wenn man genauer hin schaut, erkennt man, dass es nicht die Sensibilität und der Respekt ist, der diese Pferde leicht in der Hand erscheinen lässt, sondern sie sind einfach ständig auf dem Sprung, bewegen sich leicht(auch für den Menschen) da sie allem und jedem (aus-)weichen wollen. Sie sind oft nicht nur mental und emotional auf der Flucht und am weichen, sondern auch physisch, d.h. sie bewegen sich leicht von physischem Druck weg. Dies muss nicht sein, aber kann! Denn hier kann auch das Gegenteil der Fall sein, dass ein Pferd vor Angst „festfriert“ wie ich es nenne.

Im Grunde ist es meist eher eine Art ständiger Flucht, in der diese Pferde leben und wenn man dies erkennt und dann daran arbeitet, dass sie mutiger werden, dann passiert es leicht, dass je mutiger diese unsicheren und ängstlichen Pferde werden, desto mehr stellen sie auch den Respekt gegenüber dem Menschen in Frage. Ich habe persönlich erlebt, dass ein solche mutig gemachtes Pferd sich nun plötzlich von einer ganz anderen Seite zeigt. Denn der Mut gibt dem Pferd, (aber auch dem Menschen) Macht und man sollte wissen:

„Macht verdirbt nich den Charakter, sondern Macht entlarvt den WAHREN Charakter!“

Gib einem Menschen Macht und Du wirst sein wahres ICH erkennen, gib einem Pferd „Macht“ und Du wirst seine wahre Persönlichkeit sehen. Diese kann sich komplett von der vorherigen Persönlichkeit unterscheiden. Ich habe dies selbst immer wieder erlebt, ich hatte in den letzten 3 Jahren mit drei der ängstlichsten Pferde meiner gesamten Laufbahn zu tun, nie zuvor hätte ich gedacht, dass ein in Menschenumgebung aufgewachsenes Pferd, solches panischen Fluchttierverhalten zeigen kann, wie ich es sonst nur bei Wildpferden vermutet habe.

Im Charakter sind diese drei Pferde völlig unterschiedlich und somit hat sich nach der Arbeit mit Ihnen auch jeweils eine ganz andere Persönlichkeit(Wahrheit) gezeigt.

Eines der dreien, ein junger Hengst in Beritt zeigte nach erfolgtem Mut-Mach-Training sein wahres Gesicht, indem er zwar den Respekt dem Menschen gegenüber schon mal leicht in Frage stellte, aber grundsätzlich gehorsam und „wohlwollend“ war im Umgang. Er versuchte einfach immer alles richtig zu machen und zeigte eine sehr freundliche und verspielte Persönlichkeit mit viel Kooperation. Seine Hypersensibilität konnte in angemessene Sensibilität umgewandelt werden.

Die zweite war eine Stute, die nach dem Mut-Mach-Training ihr wahres Gesicht zeigte, indem sie Pferden gegenüber absolut unerbittlich wurde und auch den Menschen als Respektsperson in Frage stellt und wenn dieser sich nicht präsent zeigte, zeigte sie sich umkooperativ und abneigend. Sie wurde sogar „pelzig“ wie man hier in Oberfranken sagt oder „büffelig“ da wo ich her komme im Spessart. D.h. hier musste man mit großer Präsenz und angemessener Stärke das Pferd davon überzeugen den Respekt zu wahren.

Das dritte Pferd, ein junger Wallach in Beritt zeigte sich nach dem Mut-Mach-Training respektvoll und vorsichtig mit dem Bestreben es seinem Menschen Recht machen zu wollen, wenn er verstand, was von ihm gefordert war. Er blieb fein und sensibel.

Menschen können und wollen diese Wandlung in der Persönlichkeit des Pferdes oft nicht wahrhaben und es wird noch viel in der Vergangenheit des „ängstlichen“ Pferdes gelebt und gesprochen, dass man vorsichtig mit ihm sein müsse, es nicht bestimmt anpacken darf, es bestimmten Situationen nicht aussetzen darf usw….doch das kann fatale Folgen haben und sehr gefährlich werden.

Aus meiner Erfahrung ist es 10 mal leichter ein Pferd im Verhalten zu verändern, als einen Menschen  und hier ist die große Herausforderung tatsächlich der Mensch/Besitzer des Pferdes.

D.h. der Mensch muss sich mit verändern, und anders reagieren, und hier beginnt oft das Problem, denn der Mensch kennt dieses Pferd als „respektvoll“, womöglich war es aber „nur“ ängstlich und unsicher und nun ist dieses Pferd mutig geworden und wirkt plötzlich nicht mehr respektvoll. Manchmal ist das ein schleichender Prozeß und manchmal geht es ganz schnell, dass mit dem Schwinden der Angst nun die Respektlosigkeit zunimmt.

Nun sind andere Verhaltenskriterien beim Menschen gefragt und oft sehr viel mehr Bestimmtheit und Konsequenz, als der Besitzer eines solch ehemals ängstlichen Pferdes bereit ist an den Tag zu legen.

Eines haben mir die letzten 20 Jahre als Trainerin gezeigt, der Schlüssel liegt immer im Besitzer. Wenn der es schafft seine Einstellung und sein Handelns zu verändern, wenn er schafft neue Gewohnheiten zu entwickeln und beizubehalten, dann kann er einfach fast alles im Leben (mit Pferden) erreichen.

Also was ist nun der „Vorteil“ eines ängstlichen Pferdes? Tatsächlich könnte der Vorteil der sein, dass sich dieses Pferd leichter führen und bewegen lässt, das wird seit Jahrhunderten mit Menschen und auch Pferden so praktiziert und man kann über den Motivationsknopf „Angst“ führen…. der Preis ist das Risiko ANGST.…denn wehe dem Tag, an dem etwas passiert, vor dem dieses Pferd oder dieser Mensch noch größere Angst hat als vor Dir…..

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel