3 wertvolle Tipps um Dein Fohlen auf seine Aufgabe als Reitpferd vorzubereiten

In Pferdekreisen ist es oft üblich, ein Fohlen einfach so lange “in Ruhe” zu lassen, bis es 3 Jahre alt ist und dann wird es ernst. Auch auf vielen Gestüten ist es immer noch üblich die Pferde erst mit ca. 3 Jahren von der Jungpferdekoppel zu holen und dann soll es das 1×1 des Reitpferdes lernen. Ja es gibt sogar Gruppen, die sprechen von “Kinderarbeit”, wenn man mit einem unter 3jährigen Pferd am Boden arbeitet.

Kann es sein, dass dies mit ein Grund ist, dass es in der Ausbildung des Reitpferdes immer wieder zu Problemen kommt?

Welcher Hundebesitzer wartet erst mal bis der Hund ein Jahr alt ist um mit der Erziehung zu beginnen?

Wer würde auf die Idee kommen, sein Kind völlig antiauthoritär die ersten 3 Jahre in der Familie “mitlaufen” zu lassen ohne Regeln und Erziehung?

Oder die ersten 6 Jahre(denn Menschenjahre rechnen sich ja anders als Pferdejahre) und dann soll das Kind plötzlich den halben Tag in der Schule sitzen, Disziplin zeigen und das tun, was ihm aufgetragen wird…..

Und ja, sicher gibt es auch solche Menschen, doch welchen Schock erleben solche Kinder und/oder die Erzieher und Lehrer dadurch?

Muss das so sein, ist es Kinderarbeit mit einem Fohlen das 1×1 am Boden zu integrieren?

Meiner Meinung nach und nach meiner Erfahrung ist es einfacher für alle Beteiligten vom Moment der Geburt des Fohlens mit der, nennen wir es “Erziehung” zu beginnen um möglichst einfach und schonend den Lernstoff zu vermitteln.

In meiner Erfahrung als Trainerin, habe ich in den letzten 20 Jahren auch Fohlen an der Stute bei Fuß oder als Absetzer mit 6-9 Monaten in Kursen mit Ihren Besitzern dabei gehabt und aus all diesen Fohlen wurden wunderbare Pferdepartner.

Es war fast so, als ob es ein Kinderspiel sei diese Pferde dann im angemessenen Alter zum Reitpferd zu machen, sie hatten schon so eine gute Kommunikation mit ihren Menschen am Boden, so eine geniale Basis an Respekt und Vertrauen, sie waren so mutig, dass es eine reine Freude war, sie von Beginn an unter dem Sattel zu haben.

Wenn ich dann Besitzer von Fohlen oder Jungpferden frage, was sie denn schon alles mit ihrem Pferd machen, dann ist da oft nicht mehr als Halftern, führen und vielleicht noch Hufe heben und das ist oft schon viel.

Was nun kann ich mit dem Fohlen und Jungpferd machen, um es auf sein Leben als Reitpferd vorzubereiten?

  1. Das Wichtigste ist es, dass ich es MUTIG mache, denn ein Pferd mit Angst ist eine Gefahr für sich und alle Beteiligten. Hierfür teste ich zuerst einmal aus, wie mutig ein Pferd ist. Dies tue ich, indem ich z.B. eine Plastiktüte an einen Stick knote und herausfinde, wie viel Annäherung und Berührung das Pferd damit aushält. Dort beginne ich dann das junge Pferd abzuholen und zunehmend vertrauensvoller zu machen, indem ich mit dem Prinzip von Annäherung und Rückzug arbeite und seine Komfortzone täglich immer mehr ausweite. Ich habe festgestellt, dass es oft nicht erkannt wird, wenn ein Pferd ängstlich ist, oft wird es mit Sensibilität verwechselt. Ängstliche Pferde sind eine der Hauptursachen von Unfällen!
  2. Mindestens genau so wichtig ist es, dass das Jungpferd RESPEKTVOLL ist und das sind meiner Erfahrung nach die wenigsten, dies wird übrigens oft verharmlost mit den Worten “das ist ja noch ein Fohlen(Baby)” ich erinnere hier an den weisen Spruch “Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.” Ganz so drastisch ist es vielleicht nicht, aber es ist um ein 10faches einfacher den Respekt vom ersten Tag ganz oben an zu stellen, denn das tun Pferde untereinander auch. Gliedert mal ein Absatzfohlen in eine fremde Pferdeherde ein….die schonen das “Baby” nicht erst mal 4 Wochen oder Monate bis es sich eingewöhnt hat. Die sind vom ersten Moment an gnadenlos konsequent und verlangen absoluten Respekt von dem Neuzugang und sie scheinen noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Respektlose Pferde sind eine der Hauptursachen von Unfällen!
  3. Wenn Mut und Respekt vorhanden sind, dann gewöhne ich das Jungpferd daran auf physischen Druck oder Zug mit NACHGEBEN zu reagieren. Der angeborene Reflex eines Pferdes auf Zug oder Druck ist Gegenzug und Gegendruck. Viele Pferdebesitzer können ein Lied von zerissenen Halftern und Seilen singen, den wenn ein Pferd erst mal gelernt hat wie stark es ist und das es nutzt gegen etwas zu ziehen und zu drücken, ist es nicht mehr so leicht dies zu ändern. Fehlendes Nachgeben ist eine der Hauptursachen von Unfällen!                                          Wenn ich nun Punkt 1-3 erledigt habe, und das geht wenn man es richtig macht beim Fohlen, das von Anfang an so gehandhabt wird ganz leicht(vorausgesetzt man kann Pferde lesen und einschätzen und ist der Strategien des Horsemanship mächtig-diese machen es meiner Erfahrung nach am allerleichtesten), dann kann ich das Fohlen schon daran gewöhnen, was es so alles braucht für sein Pferdeleben beim Menschen und als Reitpferd. Ich kann es an Seile um alle Körperteile gewöhnen, an den Druck des Gurtes, an Decken und Gegenständen auf seinem Rücken. Ich kann es daran gewöhnen, das Pferdehänger wundervolle Ställe auf Rädern sind, dass es ganz leicht ist alle Körperteile einzeln für den Menschen zu bewegen und die Hufe für längere Zeit zur Bearbeitung hoch zu heben. Ich kann es daran gewöhnen, dass es sich immer nach seinem Menschen orientiert und Menschen als Partner akzeptiert, für die es sich lohnt aus seiner Komfortzone heraus zu kommen. Ich kann mit ihm kleine Sprünge absolvieren, einen Trailparcour überwinden, es an Wasser gewöhnen, Spaziergänge machen u.v.m

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel