Mein Pferd reißt den Kopf hoch – was tun?

Immer wieder treffe ich Menschen im Netz und im realen Leben, die sich furchtbar aufregen über Fotos, wo Pferde zu sehen sind, die den Kopf hoch reißen.

Oft wird der dazugehörige Mensch (Besitzer oder Reiter) dann in Grund und Boden geschimpft und dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme von einer Sekunde. Der Betrachter weiß oft weder was kurz davor, noch kurz danach passiert ist.

Aus meiner Sicht werden solche Fotos oft dramatisiert, und man sollte sich die Frage stellen warum das so ist?

  1. Frage: Kommt es in der Natur nicht vor, dass Pferde den Kopf hoch reißen?
  2. Frage: Warum tun sie das überhaupt?
  3. Frage: Was ist der Auslöser?
  4. Frage: Was kann man dagegen tun?
  5. Frage: Wie kann man es verhindern?

Zu Frage 1: Kommt es in der Natur nicht vor, dass Pferde den Kopf hoch reißen? Ja, es kommt durchaus auch in der Natur vor, dass Pferde den Kopf hoch reißen, z.B. im Spiel oder im Kampf. Aber auch wenn ein rangniederes Pferd von einem ranghöheren Pferd des Platzes verwiesen wird und damit nicht einverstanden ist oder wenn es sich vor etwas fürchtet. Das ist völlig natürlich, also ist das hochreißen des Kopfes völlig natürlich…

Somit sind wir auch gleich bei Frage 2: Warum tun sie das überhaupt? Pferde reißen den Kopf hoch aus verschiedenen Gründen, z.B. weil sie Angst vor etwas haben und nach oben hinten ausweichen wollen. Das hochreißen des Kopfes ist aber auch eine Abwehrreaktion auf zu starke Hilfengebung am Boden oder unter dem Sattel. Und natürlich ist es auch sehr oft ein Zeichen, dass das Pferd gerade nicht einverstanden ist mit einer Hilfe (im Falle der Herde wäre dies, das Wegschicken des Rangniederen durch das Ranghöhere Pferd und das Rangniedere stellt den Respekt des Ranghöheren in Frage), z.B. wenn der Mensch das Pferd fragt zurück zu gehen und das womöglich noch schneller und mit mehr Bemühen, so dass das Pferd seine Komfortzone verlassen muss. Vielleicht stellt das Pferd den Respekt dem Menschen gegenüber in Frage oder ist nicht gewillt sich zu bemühen.

Zu Frage 3: Was ist der Auslöser? Der Auslöser ist ein Reiz von Aussen, also entweder eine Gefahr oder ein Verlangen nach mehr Bemühen und Respekt von Aussen(von einem Pferd oder einem Menschen), was mit Abwehrreaktion „Kopf hoch reißen“ quittiert wird. Oder aber auch eine ungeschickte, unsanfte oder gar ungerechte Zügelhand oder ebensolche Aufforderung des Menschen am Boden ans Pferd, Dinge zu tun, z.B. sich schneller zu bewegen.

Zu Frage 4: Was kann man dagegen tun? Sollte der Auslöser eine Gefahrenquelle sein, dann ist es sinnvoll das Pferd insgesamt mutiger zu machen und im Speziellen mit dem Auslöser jetzt. Hierzu habe ich ein 60 minütiges Video-Coaching, das man hier(klicken) findet. Sollte der Auslöser eine zu grobe Behandlung und Hilfengebung sein, dann ist es ein guter Rat an seiner eigenen Sensibilität und Feinen Hilfengebung zu arbeiten und an seiner Motorik.

Zu Frage 5:Wie kann man es verhindern? Im Falle der groben Hilfengebung kann man es ganz leicht verhindern, indem man feinere Signale ans Pferd bringt. Im Falle einer Angstreaktion kann man es kaum verhindern, denn ich kann ein Pferd zwar an Vieles gewöhnen, aber niemals an alles was in unserer turbulenten Welt geschehen kann.

Wenn das Pferd den Kopf hoch reißt, weil der Mensch für mehr Bemühen fragt und das Pferd „Nein“ sagt, dann kann man das hochreißen des Kopfes nicht verhindern, aber in dem Moment angemessen und richtig reagieren um in Zukunft andere Reaktionen zu erhalten. Was  bedeutet das? Auf keinen Fall die Frage für mehr Bemühen beenden, wenn das Pferd den Kopf hoch reißt, sondern erst, wenn es mehr Bemühen zeigt und am besten den Kopf wieder nach unten bringt, das wird oft nicht beachtet und wenn ich im falschen Moment den Reiz weg nehme, dann wird das Pferd womöglich immer schlimmer den Kopf hochreißen.

Hier ist viel Gefühl und gutes Timing gefragt, denn wenn ich immer 5 Sekunden zu spät mit meiner Reaktion bin, fördere ich womöglich das Gegenteil.

Und dann gibt es ja noch die Persönlichkeiten unter den Pferden, die immer erst mal GEGEN alles sind, die immer erst mal rumzicken müssen, auch in der Herde im Offenstall.

Ein tolles Beispiel ist das Beitragsfoto, es zeigt zwei meiner Pferde, die meine Aufforderung nach schnellerer Gangart unterschiedlich beantworten. Mein Wallach Alibaba, der sich überzäumt (auch das kommt in der Natur vor und ist nicht immer Menschengemacht) und meine Stute Jemanah, die ihre Abwehr durch Kopf hochreißen zeigt, da sie keine Lust hat sich schneller zu bewegen.

Die Frage von mir war die Gleiche und zeitgleich in der selben Intensität, doch beide Pferdepersönlichkeiten gehen anders damit um, jeweils ihrem Charakter entsprechend.

Wir sehen also, es ist nicht so einfach ein Foto zu beurteilen, wenn man nicht vor-und zurückspulen kann. Wir sollten uns deshalb von voreilig gefällten Urteilen und Bewertungen hüten und die Dinge hinterfragen.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen.

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de