Welchen Vorteil hat es, ein ängstliches Pferd zu haben!

Du wirst das Thema des heutigen Tages vielleicht etwas skeptisch gelesen haben, deshalb möchte ich mit einer allgemeingültigen Aussage beginnen um zu unterstreichen was ich ausdrücken möchte: „Menschen in Angst sind leichter zu führen als Menschen die Mutig sind.“ dies kann man überall nachlesen und in der Realität beobachten, dass ein Individuum mit Angst leichter zu führen ist, als eines mit Mut und Selbstvertrauen.

Für mich persönlich sind zwei Kriterien im Umgang mit Pferden (und Menschen) enorm wichtig, nämlich erstens, wie mutig  und vertrauensvoll das Pferd ist und zweitens, wie respektvoll es ist. Respekt und Vertrauen sind die Basis jeder Beziehung, egal ob mit Tieren oder Menschen, egal ob beruflich oder privat.

Würdest Du jemandem vertrauen, den Du nicht respektierst?  Oder würdest Du jemanden respektieren, dem Du nich vertraust?

Beides gehört einfach zusammen.

Viele denken, dass es ein Segen ist, wenn man ein mutiges und vertrauensvolles  Pferd hat und ich persönlich bin für mich überzeugt, dass dies tatsächlich ein echter Segen ist, WENN man auch den Respekt des Pferdes hat und dies ist oft nicht der Fall, wie ich immer wieder beobachten kann.

Wirklich mutige Pferde brauchen oft niemanden, weder Mensch noch Pferd, sie gehen einfach ihren Weg und entscheiden selbst, sie sind nicht auf Dich als Führungsperson angewiesen. Das ist bei Menschen übrigens ähnlich und vielleicht schaust Du Dir mal an, welche Menschen Du im Leben anziehst und vom wem Du angezogen wirst? Und welche Pferde?

Ängstliche und unsichere Pferde machen oft den Anschein sehr respektvoll zu sein und sensibel, doch wenn man genauer hin schaut, erkennt man, dass es nicht die Sensibilität und der Respekt ist, der diese Pferde leicht in der Hand erscheinen lässt, sondern sie sind einfach ständig auf dem Sprung, bewegen sich leicht(auch für den Menschen) da sie allem und jedem (aus-)weichen wollen. Sie sind oft nicht nur mental und emotional auf der Flucht und am weichen, sondern auch physisch, d.h. sie bewegen sich leicht von physischem Druck weg. Dies muss nicht sein, aber kann! Denn hier kann auch das Gegenteil der Fall sein, dass ein Pferd vor Angst „festfriert“ wie ich es nenne.

Im Grunde ist es meist eher eine Art ständiger Flucht, in der diese Pferde leben und wenn man dies erkennt und dann daran arbeitet, dass sie mutiger werden, dann passiert es leicht, dass je mutiger diese unsicheren und ängstlichen Pferde werden, desto mehr stellen sie auch den Respekt gegenüber dem Menschen in Frage. Ich habe persönlich erlebt, dass ein solche mutig gemachtes Pferd sich nun plötzlich von einer ganz anderen Seite zeigt. Denn der Mut gibt dem Pferd, (aber auch dem Menschen) Macht und man sollte wissen:

„Macht verdirbt nich den Charakter, sondern Macht entlarvt den WAHREN Charakter!“

Gib einem Menschen Macht und Du wirst sein wahres ICH erkennen, gib einem Pferd „Macht“ und Du wirst seine wahre Persönlichkeit sehen. Diese kann sich komplett von der vorherigen Persönlichkeit unterscheiden. Ich habe dies selbst immer wieder erlebt, ich hatte in den letzten 3 Jahren mit drei der ängstlichsten Pferde meiner gesamten Laufbahn zu tun, nie zuvor hätte ich gedacht, dass ein in Menschenumgebung aufgewachsenes Pferd, solches panischen Fluchttierverhalten zeigen kann, wie ich es sonst nur bei Wildpferden vermutet habe.

Im Charakter sind diese drei Pferde völlig unterschiedlich und somit hat sich nach der Arbeit mit Ihnen auch jeweils eine ganz andere Persönlichkeit(Wahrheit) gezeigt.

Eines der dreien, ein junger Hengst in Beritt zeigte nach erfolgtem Mut-Mach-Training sein wahres Gesicht, indem er zwar den Respekt dem Menschen gegenüber schon mal leicht in Frage stellte, aber grundsätzlich gehorsam und „wohlwollend“ war im Umgang. Er versuchte einfach immer alles richtig zu machen und zeigte eine sehr freundliche und verspielte Persönlichkeit mit viel Kooperation. Seine Hypersensibilität konnte in angemessene Sensibilität umgewandelt werden.

Die zweite war eine Stute, die nach dem Mut-Mach-Training ihr wahres Gesicht zeigte, indem sie Pferden gegenüber absolut unerbittlich wurde und auch den Menschen als Respektsperson in Frage stellt und wenn dieser sich nicht präsent zeigte, zeigte sie sich umkooperativ und abneigend. Sie wurde sogar „pelzig“ wie man hier in Oberfranken sagt oder „büffelig“ da wo ich her komme im Spessart. D.h. hier musste man mit großer Präsenz und angemessener Stärke das Pferd davon überzeugen den Respekt zu wahren.

Das dritte Pferd, ein junger Wallach in Beritt zeigte sich nach dem Mut-Mach-Training respektvoll und vorsichtig mit dem Bestreben es seinem Menschen Recht machen zu wollen, wenn er verstand, was von ihm gefordert war. Er blieb fein und sensibel.

Menschen können und wollen diese Wandlung in der Persönlichkeit des Pferdes oft nicht wahrhaben und es wird noch viel in der Vergangenheit des „ängstlichen“ Pferdes gelebt und gesprochen, dass man vorsichtig mit ihm sein müsse, es nicht bestimmt anpacken darf, es bestimmten Situationen nicht aussetzen darf usw….doch das kann fatale Folgen haben und sehr gefährlich werden.

Aus meiner Erfahrung ist es 10 mal leichter ein Pferd im Verhalten zu verändern, als einen Menschen  und hier ist die große Herausforderung tatsächlich der Mensch/Besitzer des Pferdes.

D.h. der Mensch muss sich mit verändern, und anders reagieren, und hier beginnt oft das Problem, denn der Mensch kennt dieses Pferd als „respektvoll“, womöglich war es aber „nur“ ängstlich und unsicher und nun ist dieses Pferd mutig geworden und wirkt plötzlich nicht mehr respektvoll. Manchmal ist das ein schleichender Prozeß und manchmal geht es ganz schnell, dass mit dem Schwinden der Angst nun die Respektlosigkeit zunimmt.

Nun sind andere Verhaltenskriterien beim Menschen gefragt und oft sehr viel mehr Bestimmtheit und Konsequenz, als der Besitzer eines solch ehemals ängstlichen Pferdes bereit ist an den Tag zu legen.

Eines haben mir die letzten 20 Jahre als Trainerin gezeigt, der Schlüssel liegt immer im Besitzer. Wenn der es schafft seine Einstellung und sein Handelns zu verändern, wenn er schafft neue Gewohnheiten zu entwickeln und beizubehalten, dann kann er einfach fast alles im Leben (mit Pferden) erreichen.

Also was ist nun der „Vorteil“ eines ängstlichen Pferdes? Tatsächlich könnte der Vorteil der sein, dass sich dieses Pferd leichter führen und bewegen lässt, das wird seit Jahrhunderten mit Menschen und auch Pferden so praktiziert und man kann über den Motivationsknopf „Angst“ führen…. der Preis ist das Risiko ANGST.…denn wehe dem Tag, an dem etwas passiert, vor dem dieses Pferd oder dieser Mensch noch größere Angst hat als vor Dir…..

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel

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