Ist die Arbeit mit Fohlen „Kinderarbeit“ ?

Diese Frage wird immer wieder gestellt und Fotos oder Videos im Netz von Menschen, die mit Fohlen arbeiten, werden oft mit wahren Hetzschriften versehen.

Hier muss man sich selbst nur ein paar Fragen stellen, wie z.B.:

Wie ist das in der Pferdeherde, haben die Fohlen und Jungpferde dort Narrenfreiheit oder müssen sie sich vom ersten Tag an Regeln halten?

Wie ist das mit einem Hundewelpen, lassen wir den 1 Jahr lang machen was er will, oder erziehen wir ihn vom ersten Tag an?

Wie ist das mit unseren Kindern, lassen wir diese die ersten 3 Jahre ihres Lebens völlig frei in ihrem Tun und dann soll das mal der Kindergarten erledigen?

Ich denke Sie wissen worauf ich hinaus will und es ist sehr verwunderlich, dass gerade bei einem Tier, das mit 3 Jahren dann oft das x-fache an Gewicht und Körpermasse mitbringt, der Mensch auf die Idee kommt, dieses Tier einfach mal die ersten 3 Jahre in Ruhe zu lassen.

Und dann nach 3 Jahren wird dieser unerzogene Wildling dann von der Koppel geholt und soll ein Reitpferd werden. Nach 3 Jahren Freiheit soll dieses inzwischen 1,60m große und 600 kg schwere Tier mit uns kooperieren und das tun, was wir wollen.

Ich denke das kann gut gehen oder sehr viel Kraft und Zeit kosten bis dieses Tier mit dem Menschen fein und kooperativ mit leichten Hilfen kommuniziert.

Wäre es nicht viel leichter vom ersten Moment der Geburt an, diesem kleinen Lebewesen auf liebevolle Weise das Fohlen-ABC beizubringen? Was ist Schlimmes daran, das Fohlen vom ersten Tag an überall am Körper an Berührung durch Hände und Gegenstände zu gewöhnen. Es vertrauensvoll zu machen mit all dem, was ihm in seinem Pferdeleben so begegnen kann.

Was ist Schlimmes daran, dem Fohlen auch Respekt abzuverlangen? Das macht die Herde schließlich auch und das ist vollkommen natürlich. Und das später 3jährige Pferd wird nicht verstehen, was nun anders sein soll, als die letzten drei Jahre.

Also wenn es drei Jahre lang den Menschen nicht respektieren gelernt hat, warum sollte es das dann plötzlich mit drei Jahren tun?

Ich persönlich habe in den letzten 10 Jahren immer wieder Menschen mit ihren 6-9 Monate alten Fohlen auf dem Grundkurs teilnehmen lassen und sehr gute Erfahrungen damit gemacht.

Diese Fohlen wurden später zu sicheren Reitpferden, die mit ihrem Menschen durch Dich und Dünn gehen, schließlich ist man zusammen groß geworden und hat alles schon von klein auf gelernt und akzeptiert.

Vertrauen und Respekt ist für diese Fohlen ein absolutes Selbstverständniss und der kooperative Umgang mit dem Menschen ebenso.

Mit solchen Pferden macht es einfach nur Spaß später die nächsten Schritte zum Reitpferd zu gehen.

Wenn alle Züchter in der ersten Lebenswoche ein paar Stunden sinnvolle Zeit in ein Fohlen investieren, es in den ersten Wochen schon Verladesicher machen und von Anfang an mit dem Fohlen-ABC  vertraut machen, spart man sich später viel Arbeit und Kraftaufwand und dem Pferd viel Streß.

Ich wünsche Euch nun das Bewusstsein, aus Sicht Eurer Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Euch und Euer Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen.

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel

3 Gedanken zu „Ist die Arbeit mit Fohlen „Kinderarbeit“ ?“

  1. Dankeschön
    Super geschrieben
    Ich habe mit meiner „kleinen“ früh liebevoll angefangen, heute mit 5,5 habe ich ein Pferd was draussen so gut wie keine Angst hat und bei Ausritten vorne gehen muß, damit ältere „Erfahrene“ an was auch immer (Strohmieten, Windrädern, Golfern, etc.) hinter ihr her vorbei gehen ohne zu „sterben“…

  2. Ich hole morgen meinen fast einjährigen Foxtrotter zu uns nach Hause und es tut mir schon ein bisschen im Herzen weh, ihn von seinen super kompetenten Züchtern und seinem Aufzuchtsstall zu uns in den Spessart zu holen. Dort wird er ebenfalls in eine gemischte Herde mit einem gleichaltrigen Spielkumpel und gemischten Altersgruppe gepackt.
    Bei meinem mittlerweile 20 jährigen Paint sah das alles ein bisschen anderster aus. Er hatte lange einen riesen grossen Fluchtinstinkt, welchen ich ab und an noch zu spüren bekomme. ( Er kam zu mir fast 7 Jahre alt und komplett roh ) Mittlerweile sind wir zu einem guten Team zusammen gewachsen.
    Mit dem kleinen Foxi habe ich mir vorgenommen, diverse Dinge ein bisschen anderster zu gestalten.
    Ich sauge nach wie vor alles auf, was man in der Pferdeschule noch so alles lernen kann.
    Durch meine Foxtrotterfreunde Pauwels, habe ich gesehen, wieviel ein Fohlen schon spielerisch und mit Konsequenz lernen kann. Ich muss nur noch an meiner immernoch mehr Grobmotorikeit arbeiten. 😉 Danke Christiane für Deine Tips und Tricks. Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr Dich in den Aschaffenburger Raum zu holen.

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