7 Gründe, warum Pferde den Reiter nicht aufsteigen lassen wollen

Hast Du auch schon einmal erlebt, dass Pferde beim aufsteigen nicht stehen bleiben wollen? Dies kann verschiedene Gründe haben.

  1. Das Pferd ist nicht entspannt und gelassen und „flieht“ vor dem Aufsteigen, vor dem Reiter oder generell vor Dingen, die über seinem Rücken passieren. Hier empfiehlt es sich, erst gar nicht auf zu steigen, sondern zuerst einmal am Boden an diesem Thema zu arbeiten. Hier trifft der gleiche Tipp zu, wie beim Blog von letzter Woche, ich empfehle Dir zuerst einmal mit z.B. einem Stick oder einer Tüte am Stick oder der Satteldecke mit dem Prinzip von Annäherung und Rückzug das Pferd mutiger zu machen mit Bewegungen und Gegenständen über seinem Rücken. Wichtig ist hier das perfekte Timing, also im richtigen Moment anzunähern und dran zu bleiben und im richtigen Moment den Rückzug anzutreten. Wichtig ist auch ein gleichmäßiger Rhythmus und eine souveräne, ruhige und sichere Energie des Menschen. Hierfür ist womöglich die Unterstützung eines Fachmannes notwendig, je nach Grad des Problems. Diese Übung kann dann mit Satteldecke und Sattel, mit Plastiktüten etc. mit dem gleichen Prinzip weitergeführt werden. Man könnte auch von einer Art Desensibilisierung sprechen, doch grundsätzlich möchte ich ein Pferd sensibel halben, deshalb ist dieses Wort nicht ganz passend. Wenn das Pferd dann völlig ruhig und gelassen mit Dingen über seinem Rücken umgeht, dann kann man wieder daran denken aufzusteigen.
  2. Das Pferd hat Rückenprobleme. Dies lässt sich sicherlich durch einen Tierarzt oder Physiotherapeuten herausfinden und manchmal reicht schon der Griff auf den Rücken und das Pferd sagt „Aua“. Hier ist natürlich Handlungsbedarf angesagt und Sie sollten einen Fachmann hinzu ziehen.
  3. Der Sattel passt nicht. Nach über 30 Jahren Pferdehaltung kann ich ein Lied davon singen was die Passform von Sätteln angeht und jeder der schon einmal in Schuhen gelaufen ist, die nicht richtig passen, weiß wovon ich rede. Doch Pferde können uns nicht sagen „wo der Schuh drückt“ und ich habe selbst nach Maßanfertigungen von Sätteln erlebt, dass das Pferd damit nicht glücklich war und ich habe Pferde mit völlig unpassenden Sätteln gesehen, die keine Probleme zeigten. Und es gibt nicht das Nonplusultra in diesem Bereich, egal ob Westernsattel, Wanderreitsattel, Flexibler Sattelbaum, Baumloser Sattel, Dressursattel etc… der Sattel muss einfach passen und zwar dem Pferd und dem Reiter, sonst können Probleme vorprogrammiert sein. Alleine dieses Thema füllt Bücher und ob man nach dem Lesen dann eine Lösung hat, das mag ich gerne jedem selbst überlassen. Ich habe festgestellt, dass wenn es um passende Sättel und die Fütterung von Pferden geht, dass es ungefähr so viele Wahrheiten gibt, wie Pferde. Ich für mich habe meine eigene Wahrheit gefunden, möchte an dieser Stelle aber keine Partei ergreifen und jedem selbst die Verantwortung überlassen den richtigen Weg zu finden.
  4. Das Pferd hat womöglich nie gelernt stehen zu bleiben. Womöglich hat es gelernt, dass wenn der Reiter in den Sattel steigt, es gleich los geht. Es hat sozusagen ein fehlerhaftes Programm installiert (bekommen). Hier setze ich erst einmal voraus, dass das Pferd und der Reiter am Boden bereits eine Kommunikation basierend auf Respekt und Vertrauen erarbeitet haben und das Pferd die Hilfen zum anhalten und rückwärts am Boden bereits kennt. Wenn die vorherigen 3 Punkte abgeklärt sind, dann empfehle ich Dir hier, dem Pferd zuerst einmal zu zeigen, dass es den Komfort findet, wenn es zulässt, dass der Reiter den Fuß in den Bügel stellt und wieder heraus nimmt. Wenn es dies akzeptiert, dann kann man sich in den Steigbügel stellen und am Pferd hoch springe und wieder absteigen ohne aufzusteigen und sollte das Pferd dabei loslaufen, dann über den inneren Zügel anhalten und jedes mal, wenn es anhält sofort absteigen und Komfort geben. Nun kann dies unter umständen ziemlich gute physische Fitness von Dir erfordern. Wie immer ist es wichtig im richtigen Moment dran zu bleiben und im richtigen Moment aufzuhören. Womöglich ist auch das hinzuziehen eines Fachmann/frau notwendig um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Erst wenn das Pferd auch dies akzeptiert würde ich aufsteigen und wenn es in diesem Moment los läuft, dann würde ich es über die laterale Biegung anhalten oder gar zurück gehen lassen und ggfls. wieder absteigen oder den Zügel locker lassen und wenn es anhält einfach einen Moment sitzen und evtl. wieder absteigen. Das kommt immer aufs Pferd an, ich schau mir an, was das Pferd braucht um das bestmögliche Ergebnis zu bringen. Auf keinen Fall werde ich losreiten, wenn das Pferd nicht wirklich stehen bleiben kann. Auch kann es hier hilfreich sein, nach dem Aufsteigen immer zuerst ein paar Schritte rückwärts zu reiten, damit das Pferd nicht an vor- sondern an rückwärts denkt, wenn der Reiter den Fuß in den Bügel stellt und somit nicht mehr los läuft.
  5. Das Pferd kennt reiten nur als Stressfaktor. Hier ist es meiner Meinung nach empfehlenswert seine Art zu reiten zu überdenken, wenn das Pferd für mich Erholung sein soll, kann auch ich Erholung für das Pferd sein? Was kann ich tun, damit das Pferd das Reiten als Entspannung erfährt. Natürlich möchte ich auch Leistung haben, doch zuerst einmal möchte ich, dass das Pferd sich wohl fühlt, im Stehen, im Schritt, im Trab im Galopp, vorher frage ich nicht nach Leistung und je nach Pferdetyp benötigt es womöglich mehr als 5 Minuten, bis ein Pferd psychisch für Leistung bereit ist. Das physische Aufwärmen berücksichtigen heutzutage viele Reiter, doch mindestens genau so wichtig ist das psychische aufwärmen. Wann ist das Pferd bereit für mehr Herausforderung und Leistung unter dem Sattel? Nach 10 Minuten oder nach 30 Minuten? Dies kann von Pferd zu Pferd und von Tag zu Tag anders sein und sollte Berücksichtigung finden, wenn man keine Probleme produzieren möchte. Verkürzen kann man diese Aufwärmzeit unter dem Sattel indem man die Konzepte des Horsemanships verwendet um das Pferd schon am Boden vorzubereiten und aufzuwärmen, physisch und psychisch, dies verkürzt gewöhnlich die Aufwärmzeit unter dem Sattel ungemein und beugt Problemen vor, vorausgesetzt man macht die richtigen Dinge zur richtigen Zeit.
  6. Der Aufstiegsplatz behagt dem Pferd nicht. Sicher kennst Du das auch, es gibt in vielen Reithallen und auf vielen Reitplätzen spezielle Ecken, welche die Pferde unheimlich finden, aus welchen Gründen auch immer. Pferde sehen Ihre Gespenster dort, wo wir einfach nichts sehen können und wenn ein Pferd eh schon Probleme beim Aufsteigen macht, dann kann es womöglich helfen, einen Platz zu finden, an dem sich das Pferd wohl fühlt und das ist manchmal einfach 10 Meter weiter weg. Pferde haben noch viel mehr als wir ein Gespür für Energien, die man nicht sehen kann. Vielleicht hast Du das schon erlebt, dass Du in einen Raum gekommen bist, wo augenblicklich die Leute still sind, jedoch kannst Du genau spüren, dass es vor Deinem Eintreffen eine heftige Diskussion oder gar ein Streit in dem Raum stattgefunden haben oder die Leute über Dich gesprochen haben und genau das meine ich, wenn ich von der Energie an Plätzen und Räumen spreche. Das lässt sich nicht rational erklären, das ist einfach so ein Gefühl, das ankommt, wenn man an diesem Platz ist und während nur wenige Menschen dies fühlen, fühlen es fast alle Pferde.
  7. In der Reithalle ist zu viel Unruhe. Wenn ich ein Pferd reiten möchte, dann sollte es psychisch so belastbar sein, dass es auch große Unruhe um sich herum ruhig und gelassen ertragen kann. Wenn ich ein Pferd habe, bei dem dies nicht der Fall ist, habe ich die Möglichkeit es am Boden an mehr Unruhe heran zu führen und dafür zu sorgen, dass es damit ruhig und gelassen umgeht, statt nervös zu werden, somit stelle ich mich mit dem Pferd diesem Problem, denn die Alternative wäre, nur noch zu ruhigen Zeiten mit dem Pferd in der Halle aufzusteigen und zu reiten, doch hier ändert sich leider nichts in der psychischen Stabilität des Pferdes, es wäre eine Vermeidungstaktik, die vorübergehend sicher akzeptabel ist, doch langfristig sollte es Ziel sein, ein belastbares Pferd auszubilden.

 

 

 

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 

Liebe Grüße Christiane Göbel

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