Wie Du ein „braves“ Pferd bekommst…

In den letzten 20 Jahren Horsemanship habe ich immer wieder gesagt bekommen: „Mit Deinen Pferden ist das ja einfach, die sind ja „brav“…“ und wer die Geschichte von meinem Alibaba kennt, durch den ich vor 20 Jahren zum Horsemanship gekommen bin, der weiß, dass ich sogar auf Rat eines Profitrainers schon beim Pferdemetzger angerufen hatte, so gefährlich war der Umgang und das Reiten mit ihm. Im Laufe der Jahre habe ich mit über 1000 Pferden gearbeitet und selbst darf ich im Moment vier Pferde mein eigen nennen, und ich persönlich nutze den Begriff „brav“ nicht, denn es gibt keine „braven“ Pferde, oder alle Pferde sind „brav“, oder womöglich hat jeder Mensch eine andere Definition von „brav“.

Auf Kursen höre ich manchmal die Aussage, warum soll ich mein Pferd berühren, damit es sich mehr Mühe gibt, es ist doch „brav“, es macht mir doch nichts. Hier kommt leider eindeutig zum Vorschein, dass immer noch viele Menschen Ihre Pferde auf eine Art und Weise vermenschlichen, die langsam und schleichend, aber sicher zu „Problemen“ führen kann, denn in einer Pferdeherde reicht es nicht aus, dass ein Herdenmitglied „brav“ ist, ein Herdenmitglied wird täglich in Frage gestellt in Bezug auf seinen Respekt, seinen Mut und seine Führungsqualitäten.

Wenn ich eine Definition für „brav“ finden müsste, die es aber nicht gibt, dann würde ich es so beschreiben: „Brav“ ist ein Pferd dann, wenn es keine Angst hat, also mutig im Leben steht und nicht bei jedem Geräusch und jeder Bewegung erschrickt, denn das kann sehr gefährlich für Mensch und Tier werden. Das alleine reicht mir aber nicht aus, sondern ich werde das Pferd herausfordern um die Wahrheit über diese Pferdepersönlichkeit und seinen Mut heraus zu finden. D.h. ich werde z.B. Plastiktüten an den Stick binden und mit neutralen rhythmischen Bewegungen in unterschiedlichem Tempo in allen Körperbereichen des Pferdes testen, wo die Komfortzone des Pferdes aufhört und es anfängt nervös und ängstlich oder gar panisch zu werden. Ich werde es über, unter und durch Hindernisse gehen lassen um zu erkennen, wie mutig es tatsächlich ist, ich werde es mit allem möglichen und unmöglichen konfrontieren, vor dem Pferde sich erschrecken könnten und herausfinden, wie groß die jeweilige Komfortzone ist. Dann werde ich mit dem Pferd zusammen in seinem Lerntempo diese Komfortzone überschreiten, damit es immer noch mutiger wird, denn es gibt wohl nichts Gefährlicheres als ein Pferd mit Angst.

Viele Menschen allerdings verwechseln Angst mit Respekt, da ängstliche Pferde leicht zu beeinflussen und zu bewegen sind, kann man dies leicht mit Respekt verwechseln, ist es aber nicht und wer das nicht erkennt, darf sich nicht wundern, wenn spätestens beim Reiten oder Hänger fahren Probleme entstehen, denn das Pferd reagiert aus Angst vor dem Menschen, wenn auch nur in einer unterschwelligen Art und Weise. Und es wird der Tag kommen, wo sich etwas zeigt, vor dem das Pferd mehr Angst hat als vor dem Menschen und seiner Korrektur und dann wird’s womöglich richtig gefährlich.

Zu „brav“ gehört auch angemessener Respekt dem Menschen gegenüber, d.h. z.B. dass das Pferd sich jederzeit und überall von mir mit Leichtigkeit bewegen lässt in Richtungen wie rückwärts, seitwärts, Hinterhand und Vorhand kreuzen und dass es jederzeit und überall meinen privaten Raum respektiert und Abstand hält, es sei denn ich frage es näher zu kommen, denn genau so funktionieren die Regeln für Respekt in der Pferdeherde, das hat nichts mit Dominanz und Dressur zu tun, das sind die Spielregeln in jeder Pferdeherde, das ist Natur.

Viele Pferdebesitzer haben hier schon Bauchschmerzen und fragen nach 3 Schritten rückwärts, ob das denn für heute nicht reichen würde und warum das Pferd den Abstand halten soll. Tatsächlich brauchst Du dies überhaupt nicht tun, doch es wird dir wertvolle Informationen liefern darüber, wie viel Respekt Dein Pferd tatsächlich vor Dir hat und wenn du auch hier die Komfortzone immer etwas mehr überschreitest, wird Dein Pferd von Tag zu Tag respektvoller werden. Wenn Du dies allerdings nicht erkennst, weil Du immer zufrieden bist mit dem was Dein Pferd Dir sowieso schon anbietet(und Pferde sind sehr soziale und oft gutmütige Tiere), dann darfst Du Dich nicht wundern, wenn in außergewöhnlichen und neuen Situationen die oft unangenehme Wahrheit ans Licht kommt.

Ich mag es einmal so beschreiben, wenn ich ein gebrauchtes Auto kaufe und es hat die Farbe rot und nach 2 Jahren fährt ein Kind mit dem Fahrrad zu nah an dem parkenden Auto vorbei und macht einen Kratzer in den Lack und plötzlich siehst Du am Kratzer, dass dieses Auto tatsächlich ursprünglich blau war und anscheinend mal überlackiert wurde. Du hast 2 Jahre lang geglaubt, dass dieses Auto rot sei und warum kam diese Wahrheit nun ans Licht? Weil jemand am Lack gekratzt hat!

Bevor ich ein Pferd reite, „kratze“ ich immer erst am Lack, auch wenn ich es schon lange kenne, denn Pferde leben nur im Hier und Jetzt und Regeln und Rangfolgen werden von Pferden ein Leben lang immer wieder mal in Frage gestellt, je nach Naturell des Pferdes öfter oder seltener, das ist die Natur des Pferdes. Wenn ich am Lack kratze, indem ich das Pferd frage, wie sehr es sich bemüht für mich und an seine Toleranzgrenze komme, dann werde ich herausfinden, wie es reagiert, wenn ich diese überschreiten werde. Denn wenn ich dies vor dem Reiten oder z.B. Hänger fahren kläre, dann kann mir das in einem Ernstfall meine Gesundheit und sogar mein Leben retten und das meines Pferdes. Ja ich dramatisiere es vielleicht etwas, weil viele Pferdebesitzer dies verharmlosen und dann oft schlimme Erlebnisse haben. Sie erkennen den Zusammenhang nicht und Sie erkennen auch nicht, dass wir Menschen IMMER und in JEDEM Moment mit dem Pferd zusammen, gewollt oder ungewollt, mit unseren Gedanken, Glaubenssätzen und Handlungen Informationen ans Pferd senden, die über sein Verhalten entscheiden. Und dieses Verhalten gefällt uns oft nicht, obwohl wir es bewusst oder unbewusst mit verursacht haben.

Viele denken auf Events auf denen sie mich treffen, dass ich wohl immer nur „brave“ Pferde besitze und jene, die mit einem meiner Pferde als Leihpferd Kurse buchen, denken doch tatsächlich, dass meine Pferde wie Maschinen oder Computer, das einmal von mir einprogrammierte, von jedem x-beliebigen Menschen abrufen lassen. Dem ist nicht so!!!!!!

Auch meine Pferde sind Pferde geblieben und entscheiden von Mensch zu Mensch, was sie tun und wie sie reagieren und wenn jemand mein Pferd mal für zwei Wochen mit heim nehmen würde, dann würde es sich nach diesen zwei Wochen etwas mehr anfühlen als Pferd von demjenigen, der es zwei Wochen hatte. Und wenn ich egal welches Pferd von Schülern für zwei Wochen mit mir nach Hause nehme, dann wird es sich nach zwei Wochen etwas mehr wie eines meiner Pferde anfühlen. Doch wie lange hält das an, leider nur einen kurzen Moment, bis das Pferd sich auf das neue Gegenüber eingestellt hat und dann den Menschen spiegelt, der ihm nun gegenüber steht.

Dies ist auf jedem Kurs von mir zu sehen, denn im Laufe von 2 Tagen hatte ich fast immer jedes Pferd einmal kurz „in der Hand“ und für diese Momente mit mir, sind diese Pferde andere Pferde und wenn ich sie zurück an die Besitzer gebe, dann hält das manchmal noch kurz an, aber schnell stellt sich das Pferd wieder auf den anderen Menschen ein und nur wenn dieser Mensch etwas an sich selbst verändert, wird sich auch das Pferd verändern. Doch selbst dies reicht vielen Pferdebesitzern nicht aus um anzuerkennen, dass tatsächlich das Pferd immer nur Spiegel vom Besitzer und seiner Energie ist und sie finden Gründe(manche würden Ausreden dazu sagen) warum das Pferd nicht so reagiert wie gewünscht. Dieses Pferd sei eben anders und hätte diese und jene Erfahrungen gemacht und deshalb gehe dies oder jenes einfach nicht. Mag sein, dass dies manchmal so ist, doch meistens sind Pferde tatsächlich nur in diesem Moment zuhause und können selbst mit einem Alter von 30 Jahren und egal welchen Erlebnissen, sofort alte Muster verändern, was uns Menschen ja oft schwer fällt.

Hier fällt mir ein passendes Zitat von Friedrich Nietzsche ein: „Manchmal wollen die Menschen die Wahrheit nicht hören, weil sie nicht wollen, dass Ihre Illusionen zerstört werden.“

Wie also bekommst Du ein „braves“ Pferd? Indem Du die Verantwortung für Deine Handlungen mit deinem Pferd übernimmst und am Lack kratzt um die ECHTE Farbe der Persönlichkeit Deines Pferdes zu erkennen. Indem Du am Lack kratzt um die Komfortzone von Mut und Respekt Deines Pferdes zu erkennen und dann diese Komfortzone täglich größer machst, dies hilft Dir und auch Deinem Pferd bei Eurem gemeinsamen Wachstum. Dann bekommst Du ein wirklich Mutiges und Respektvolles Pferd und dann kannst Du anfangen all die Dinge zu tun, die Du eigentlich mit dem Pferd tun wolltest. Und sollte Dir das noch nicht gelingen, weil Du selbst noch nicht die Veränderungen in dir selbst, in Deinen Gedanken, Handlungen und Deiner Energie herbei führen kannst, dann suche Dir eine/n passenden Trainer/in, der/die Dich auf diesem Weg der Veränderung begleitet. Denn nichts ändert sich, wenn Du Dich nicht selbst veränderst und das ist auch im restlichen Leben so(privat, beruflich, partnerschaftlich etc…),das heisst aber auch, Du hast die Macht alles zu verändern, was Du bereit bist zu verändern. So lange Du die „Schuld“ bei anderen suchst(egal ob Pferd oder Mensch), haben diese anderen Macht über Dich, und tatsächlich hast Du in jedem Moment Deines Lebens die Möglichkeit dies zu verändern! Selbst der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt……

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. Mehr Informationen erhälst Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel

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