Problempferd – 5 Ursachen, warum Pferde beim neuen Besitzer Probleme bekommen

Kennst du das auch? Ein Pferd ist vor dem Kauf beim Proberitt lammfromm und wird nach dem Kauf beim neuen Besitzer zum Problempferd und das hat sicher nur sehr selten damit zu tun, dass ein Pferd ruhig gestellt wurde beim Verkauf…. Ich höre solche Fälle der Verwandlung nach dem Kauf immer wieder und natürlich gibt es viele unterschiedliche Gründe dafür, ich werde nachfolgend die meisten mir bekannten Ursachen hierfür erläutern. Und natürlich geht das auch anders herum, ein angebliches Problempferd wird nach dem Verkauf beim neuen Besitzer lammfromm, hier ist es vielleicht genau umgekehrt…

  1. Das Pferd kommt aus einer ganzjährigen Herdenhaltung im Offenstall und beim neuen Besitzer steht es z.B. nachts in der Box und tagsüber im Einzelpaddock oder ähnliches. Dieser nicht unerhebliche Lebenswandel kann ein Pferd von seinem Verhalten her komplett verändern, muss es aber nicht. Es gibt Pferde, denen scheint das gar nichts auszumachen und es gibt Pferde bei denen dies Probleme im Umgang und beim Reiten verursacht, die von harmlos bis gefährlich tendieren können. Hier ist die Lösung im Grunde einfach, denn eine Umstellung auf die alten Haltungsbedingungen werden diesem Pferd mit Bewegungsmangel und Langeweile weiterhelfen, wenn nicht noch die folgenden Gründe hinzu kommen.
  2. Der Vorbesitzer hat eine andere Energie als der neue Besitzer und das Pferd kommt damit nicht klar. Jeder Mensch und jedes Pferd haben eine bestimmtes Grundnaturell und eine gewisse Energie, die sie ausstrahlen. Die einen sind eher langsam, die anderen eher schnell, die einen sind laut, die anderen leise, die einen sind achtsam und bewusst, die anderen eher rüpelhaft und übergriffig, usw…..auch hier gibt es Pferde, die das locker weg stecken und dann gibt es welche, die zum „Problem“ mutieren. Wenn z.B. ein ängstliches Pferd einen Vorbesitzer hatte, der ihm ruhig und souverän die fehlende Sicherheit geben konnte, und der neue Besitzer ist selbst sehr unsicher und eher ängstlich, dann wird es nicht lange dauern und das Pferd wird Herausforderungen an den Tag legen, die nicht so gekommen wären, wenn der neue Besitzer ihm die nötige Sicherheit geben könnte. Ebenso kann es sein, dass es sich um ein sehr präsentes Pferd mit Hang zur Respektlosigkeit handelt und es hatte vielleicht einen Vorbesitzer, der ihm Grenzen setzen und es überzeugen konnte, während der neue Besitzer eher mit Wattebäuschen um sich wirft und die Sache nicht auf den Punkt bringt. Egal wie, aber wenn es am Menschen liegt, dann gibt es meines Erachtens nur drei Möglichkeiten: entweder der Mensch arbeitet an seiner Persönlichkeit und an seinen Führungsqualitäten, oder er verkauft das Pferd wieder oder er lernt mit einem „Problem“ zu leben. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass wir durch Pferde sehr viel über uns selbst lernen können, wenn wir offen dafür sind und bereit dafür, uns wertfrei und dennoch realistisch die Situation zu betrachten, evtl. auch den Rat eines Fachmannes/frau zu holen und dann ins Handeln kommen.
  3. Das Pferd wurde vorher mit Westernsattel und Kandare geritten und nun z.B. mit Baumlosen Sattel und Sidepull. Dies muss nicht zwangsläufig zu Problemen führen, so wie auch alle vorgenannten Punkte, aber es kann und dann sollte man sich anschauen, was anders ist, was nicht passt oder wie dieses Pferd gehändelt und geritten werden möchte. Sicher ist es sehr wichtig passende Ausrüstungsgegenstände zu benutzen, doch oft kommt es nicht so sehr darauf an, WAS man verwendet, sondern WIE man es verwendet und hier ist wieder reelle Selbstreflexion gefragt. Ich kenne Reiter, die mit harter Hand und ständig klopfendem Schenkel so reiten, dass es eher an einen Kampf erinnert und die von sich selbst ein anderes Bild haben und sogar andere dafür verurteilen, wenn sie so reiten. Hier hilft es, sich einmal eine halbe Stunde am Pferd zu filmen und dann selbstkritisch anzuschauen, was einem auffällt.
  4. Beim alten Besitzer herrschte auf dem Hof eine lockere und entspannte Atmosphäre, die Menschen und Tiere hatten Spaß, während auf dem Hof des neuen Besitzer Stress und Anspannung in der Luft liegt und alles auf die Waagschale gelegt wird, es werden nur Fehler gesucht und von Spaß hat noch nie jemand was gehört. Sicher übertreibe ich hier vielleicht, aber ich möchte verdeutlichen, dass auch die Energie im Stall, bei den Menschen am Hof und auf dem Hof generell einen Einfluss auf Pferde haben. Ich persönlich komme durch meine Tätigkeit als Trainerin und Kursleiterin auf sehr viele unterschiedliche Anlagen und weiß wovon ich spreche. Da gibt es Anlagen, da kommt man auf den Hof und würde am liebsten nie mehr abreisen, lauter nette Leute, tolle Anlage, entspannte Pferde, wie im Paradies und dann kommt man auf Anlagen, da würde man am liebsten auf dem Absatz umkehren, so schwer und ablehnend fühlt sich die Energie vor Ort an. Wenn wir Menschen so etwas wahrnehmen können, wie viel intensiver spüren Pferde solche Energien?
  5. Das Pferd wurde beim Vorbesitzer so gefüttert, dass es im Sommer 24 Std. Gras und im Winter 24 Std. Heu fressen konnte. Kraftfutter wurde nicht gefüttert, nur Mineralfutter und Lecksteine. Beim neuen Besitzer bekommt es morgens und abends etwas Heu und 5 x täglich Kraftfutter. Dies kann bei manchem Pferden, gerade in Kombination mit den anderen vier Punkten zu Problemen führen und wenn man davon ausgeht, dass Pferde in der Natur 14 Stunden und mehr mit fressen beschäftigt sind, während in vielen Ställen so wenig Heu gefüttert wird, dass es nach 2 Stunden aufgefressen ist, dann liegt das sicher nicht in der Natur des Lebewesens Pferd, welches andere Abläufe in der Nahrungsaufnahme hat, als z.B. unsere Hunde oder wir selbst. Hier kann unter Beachtung der anderen Punkte mit einer Umstellung des Futters wieder Normalität eintreten.

Natürlich sind das nur einige wenige der vielen Möglichkeiten, die es gibt, warum ein Pferd sein Verhalten nach dem Kauf verändert, es soll Dir Anlass zum Nachdenken und Hinterfragen geben um an die Ursache des Problems zu kommen. Und eines ist bei Menschen und Pferden ähnlich, die einen sind total sensibel, bekommen bei jedem Wetterumschwung Depressionen und können nach einem Streit 3 Nächte nicht schlafen und die anderen scheinen mit einem Panzer durchs leben zu fahren, merken nichts was im Umfeld passiert oder stecken es gleich weg und leben ihr Leben weiter.

Zu mir hat mal einer gesagt: „Den einen schaust Du schief auf den Fuß und die bekommen eine Depression und den andern trittst Du richtig fest auf den Fuß drauf und die scheinen es nicht mal zu bemerken.“ So erlebe ich es täglich bei Mensch und Pferd und ich sehe das völlig wertfrei, denn es ist nicht das eine gut und das andere schlecht, sondern es ist so wie es ist und jedes Lebewesen ist anders und reagiert anders auf mich und meine Ausstrahlung und wenn ich es schaffe mich in mein Gegenüber, egal ob Mensch oder Pferd hinein zu versetzen, dann schaffe ich womöglich auch Lösungen für die vorhandenen Herausforderungen.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de

Liebe Grüße Christiane Göbel

2 Gedanken zu „Problempferd – 5 Ursachen, warum Pferde beim neuen Besitzer Probleme bekommen“

  1. Hallo!
    Ein später Kommentar, aber für mich gerade aktuell…
    Ich kann nicht einschätzen, ob mein neues Pferd „Führung“ sucht ( ich bin der Wartebausch-Werfer) oder „Ansagen“ braucht…
    Ich finde, da gibt es doch noch einen feinen Unterschied, oder nicht?!
    Beides fällt mir gerade schwer, weil mich seine Aktionen verunsichert haben und ich oft nur so „tue“, als wäre ich der „Chef“…das merkt er natürlich…zuckt er in meine Richtung, zucke ich zurück.. 🙁

    Es fällt mir schwer, einzuschätzen, ob er total unsicher ist ( was ich eher glaube) oder einfach nur aufmüpfig.

    Er stand immer nur im Offenstall, jetzt nachts in der Box. Wobei er die „gut annimmt“ und auch im Offenstall gerne „Schutz“ gesucht hat…
    Aber so lange die anderen auf der Wiese sind, kann er sich nicht konzentrieren… gucken, wiehern und ggf. Chancen nutzen, um dorthin zurück zu kommen…
    Sind wir auf dem Platz und die anderen werden reingeholt: Drama!
    Konzentration nicht möglich…

    Seine Vorbesitzer hatten ihn 10 Jahre lang seit er 2 war…und waren Jungs!
    Auch ein Unterschied…
    Da wurden nicht erst Zöpfe geflochten…: Sattel drauf, Martingal drauf, ab die Post…

    Ich denke, da wo ich sage:“ komm schon, Du machst das suuuuper“ hätten die Jungs gesagt:“ da lang!“.

    Sein Offenstall lag am Haus der Vorbesitzer, Ruhe pur…
    Allerdings ging er da auch Springen und Jagden!
    Bei uns 12 Pferde, also auch relativ entspannt…und zumindest kein offensichtlicher Stress ( Turniere wird’s nicht geben).
    Reiten ging 2 Wochen gut, das hat ihn irgendwie sogar entspannt ( auch, wenn es leichte Arbeit war), weil er da irgendwie wusste, was von ihm verlangt wird…
    Dann Weide-Klopperei und seit dem Lahmheit/Kreuzbeindarmgelenk etc.

    Mir scheint es aber nicht an überschüssiger Energie zu liegen ( was ja nachvollziehbar wäre), denn wenn die Herde oder ein Teil davon bei ihm sind, kann er auch äußerst gechillt sein…

    Wir machen aktuell nur Führtraining ( jetzt auch mit Trainerin), aber entweder, er ist ein Schmusepony oder (ohne die anderen) total kopflos.

    Ich lese jetzt selbst aus meinem Text heraus, dass es für die nächste Zeit vielleicht gut wäre, ihn nicht allein mit auf den Platz zu nehmen, damit er überhaupt in der Lage ist, uns „zuzuhören“…!? Und uns dann so gut kennt, dass es auch ohne die anderen geht…!?
    Ich habe Zeit, das ist nicht mein Problem…
    Mein übergroßer Respekt vor seinem hektischen Verhalten ist mein Problem!
    Und überträgt sich direkt durch den Strick wieder zurück auf ihn… 🙁

    Gekauft hab ich ihn, weil er so lieb war…ich bin nämlich mittlerweile nicht mehr so „locker“ im Umgang mit Pferden…
    Ich habe seit 28 Jahren ein weiteres Pferd…das mich allerdings nie so herausgefordert hat!
    Ich habe zwar keine Kopie gesucht, aber wäre ich mir dieser Herausforderung bewusst gewesen, hätte ich es nicht gemacht…:-(

    Täglich sage ich mir, dass wir das schaffen…
    Steht er mit aufgeregten Blick und hoch erhobenem Kopf neben mir, sind meine Zweifel sofort zurück.
    Es macht mich „traurig“, dass er sich nicht „freut“, dass wir so nett zu ihm sind… meinem anderen Pferd kann ich auch mal Grenzen setzen, aber da geht es eher nicht um „gefährliche Situationen“.
    Ich weiß nicht, ob ich seinem Temperament gerecht werden kann!?

    Für Reiter ohne Angst ist er wahrscheinlich ein Mini-Problemchen…
    Wenn Angst dazu kommt, ist man so gehemmt, dass es echt schwierig wird!
    Und die Angst ist eher unbegründet!
    Er ist keine „Granate“!
    In manchen Situationen wirklich Schmusepony!
    Diese „Unberechenbarkeit“ macht mir zu schaffen!
    Und Angst lässt sich schwer erklären! Warum hat man Angst vor Spinnen? Ist ja im Grunde auch unrealistisch…
    Weiß man…und schreit, wenn eine durch die Küche rennt… 😉

    Ich würde mich total über eine Antwort freuen!
    Von außen sieht man oft klarer…

    LG,
    Milena

    1. Liebe Milena,

      ich kann hier keine Antwort geben, denn dazu müsste ich die Meinung des Pferdes wissen, also mir ein Bild vor Ort machen, alles andere wäre reine Vermutung und Interpretation und das führt nicht zur Lösung.

      Wenn Du eine Trainerin an Deiner Seite hast, dann kann die sicher mehr dazu sagen.

      liebe Grüße Christiane

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.