Die 5 wichtigsten Voraussetzung für ein entspanntes Verladen von Pferden

 

  1. Viel Zeit und Geduld
  2. Ein Platz an dem man niemanden stören kann
  3. Einen eingezäunten Platz
  4. Eine rutschfeste, nicht zu steile Rampe, die trocken sein sollte
  5. Befreien Sie sich von besser wissenden Zuschauern, die Ihnen mit schlauen Bemerkungen die Nerven rauben

Sie haben so wie beschrieben alle Vorübungen zum Hängerverladen, also Hindernisse „Drüber“, „Drunter“ und „Durch“ locker und entspannt mit Ihrem Pferd überwunden, dann ist es an der Zeit, direkt zum Pferdehänger überzugehen. Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, denn viele Pferdebesitzer nehmen sich zwar immer und immer wieder die Zeit, Stunden vor der Abfahrt mit dem Verladen auf die gleiche uneffektive Weise zu beginnen, aber sie nehmen sich nie die Zeit, es einmal richtig zu machen und als Ergebnis ein Pferd zu erhalten, dass nun ein Leben lang in wenigen Sekunden zu verladen ist. Womöglich dauert diese Art, die ich Ihnen beschreibe, am Anfang sehr lange, wenn Sie z. B. ein Pferd haben, welches in 10 Minuten mit Longe um den Hintern, vorne ziehen und hinten schieben eh in den Hänger zu zwingen geht, doch dann erreichen Sie nie die Qualität, die es hat, wenn Ihr Pferd selbst entscheidet und freiwillig vor Ihnen in den Hänger läuft, Sie haben richtig gelesen, nicht Sie gehen voran, sondern das Pferd. Das Wichtigste ist, dass Sie unendlich viel Zeit und Geduld haben an diesem Tag. Wenn Sie nämlich einen ganzen Tag Zeit haben, werden Sie womöglich schon in einer Stunde fertig sein, allerdings, wenn Sie sich dafür nur 2 Stunden Zeit nehmen, stehen Sie womöglich morgen noch vor dem Hänger. Pferde haben wie schon erwähnt sehr gute Antennen, was Zeitdruck und Stress angeht, deshalb sorgen Sie hier schon einmal für optimale Voraussetzungen und gute Laune. Wenn Sie im Freien verladen wollen, dann sollte es auf alle Fälle sicher den ganzen Tag trocken und schön bleiben. Der Untergrund sollte weich sein, z. B. Naturboden oder Reitplatzboden, und vor allem trocken. Stellen Sie den Hänger möglichst eben an einen Platz, wo Sie die nächsten Stunden niemanden stören können und nehmen Sie möglichst einen eingezäunten Platz, der mindestens die Maße eines halben Reitplatzes hat, sodass der Hänger frei steht und nicht am Zaun, damit, falls das Pferd einmal Ihren Händen entgleitet, es durch die Einzäunung in erreichbarer Nähe bleibt. Ja, Sie haben richtig gelesen, den Hänger bitte in die Mitte stellen und NICHT an den Zaun. Warum? Weil diese Begrenzung durch den Zaun, oder noch schlimmer einer Wand auf der einen Seite der Rampe, Druck und Zwang erzeugen kann und genau das wollen wir beim Hängerverladen vermeiden. Alles, was mit Druck erreicht wird, muss oft ein Leben lang mit Druck erhalten werden –und ein Pferd zwingen etwas zu tun, das kann wirklich fast jeder; die Kunst ist es zu erreichen, dass Ihr eigener Wunsch zum Wunsch des Pferdes wird. Auch ist Hänger nicht gleich Hänger. Wenn Sie selbst einmal eine Fahrt in einem Pferdehänger erlebt haben, dann wissen Sie, was ich meine. Es ist ein großer Unterschied, ob Sie mit einem Hänger mit Plane oder mit einem Hardtop oder einem Polyesterhänger fahren. Nicht nur der Preis ist ein großer Unterschied, auch der Fahrkomfort für die Pferde. Wichtig ist eine absolut rutschfeste, nicht zu steile Rampe, die trocken sein sollte, damit sie eben nicht rutschig wird. Gummiboden, Teppichboden oder zumindest Holzquerstreben gewährleisten Trittsicherheit. An der auf der Erde liegenden Rampe sollten keine Teile abstehen (Verletzungsgefahr). Manche älteren Modelle haben jedoch die Metallverschlüsse rechts und links an der Rampe und diese sollte man für die Verladeaktion mit Tennisbällen oder Gumminoppen polstern. Auch der Innenboden des Hängers sollte trocken und griffig sein. Stellen Sie also den Hänger mittig auf den zur Verfügung stehenden eingezäunten Platz und lassen Sie die Rampe noch geschlossen. Und noch ein Tipp nebenher: Befreien Sie sich von besser wissenden Zuschauern, die Ihnen mit schlauen Bemerkungen die Nerven rauben.

Bereiten Sie Ihr Pferd wie gewohnt am Boden vor und gehen Sie noch einmal die „Drüber“, „Drunter“ und „Durch“-Hindernisse nacheinander durch. Wenn Ihr Pferd diese entspannt und gelassen beschreitet, dann suchen Sie sich einen Abstand zwischen der geschlossenen Hängerrampe und Ihnen, der vom Pferd noch gelassen durchquert werden kann, und beginnen Sie nun, wie von den vorbereitenden Übungen gewohnt, das Pferd in Halbkreisen durch diesen „Engpass“ zu schicken. Vielleicht ist der Abstand gerade mal 4 m am Anfang, vielleicht aber auch 14 m. Der Abstand sollte auf alle Fälle so gewählt werden, dass das Pferd entspannt hindurchgeht. Jedes Mal, wenn es dies tut, gehe ich einen Schritt nach vorne, und wenn dieser neue kürzere Abstand wieder ok ist, dann gehe ich wieder einen Schritt vor, so lange, bis nur noch ca. 1m zw. mir und dem Hänger Platz ist und das Pferd auch hier entspannt und flüssig durchläuft. Nun ist es soweit und ich öffne die Rampe und beginne das gleiche Spiel zwischen mir und der offenen Rampe hindurch, bis der Abstand nur noch ca. 1 m ist.

Dann ist mein nächstes Ziel, dass das Pferd mit mindestens einem Huf die Rampe berührt, dann mit 2 und 3 und am Ende mit allen 4 Hufen über die Rampe von einer Seite zur anderen läuft. Das geht manchmal sehr flott und manchmal dauert es. Doch bevor das Pferd nicht über die Rampe von einer Seite auf die andere läuft, kann ich es wohl schlecht fragen, ob es in den Hänger geht, denn der Weg dorthin geht nun einmal über die Rampe. Es kann sogar sein, dass das Pferd zu Beginn über die komplette Rampe auf die andere Seite springt oder über die Rampe galoppiert. Das ist in Ordnung und mit jedem Mal, wo es die Seite wechselt, wird es dies ruhiger tun.

Vorausgesetzt, ich bleibe ruhig und gelassen und überlasse es dem Pferd, wie es seine Fortschritte macht, und das ist von Pferd zu Pferd verschieden. Wenn das Pferd dann mehrere Male ruhig und gelassen von beiden Seiten über die Rampe gelaufen ist, wechsele ich meinen Platz und stelle mich an den Hänger, da, wo die Rücklichter an der Seite sind, ohne Platz zwischen mir und dem Hänger zu lassen. Nun frage ich von diesem Platz aus, ob das Pferd von vorne auf die Rampe Richtung Hänger gehen möchte.

Wie schon bei der ganzen Vorbereitung ist es auch hier wichtig, das Pferd immer nur einmal zu fragen und dann zu schauen, wie weit es läuft. Vielleicht ist es nun mit seinen Vorderbeinen vor der Rampe und bremst. Das ist in Ordnung und ich lasse es dort stehen. Denken Sie an das Topfklopfspiel vom Blog letzte Woche. Nun ist der Hänger der Topf und das Pferd soll wissen, dass immer, wenn es in der Nähe des Hängers ist, es dort komfortabel ist und aller Druck aufhört!!!! Dies ist einer der wichtigsten Punkte beim Verladen. Auf keinen Fall sollten Sie das Pferd für Vorwärts fragen und Druck aufbauen, wenn es stehen geblieben ist. Denn wenn ein Pferd stehen bleibt, dann denkt es rückwärts, sonst wäre es ja weitergelaufen. Ich lasse es also dort stehen und warte einige Zeit und das Erste, was ich dann tue, ist, dass ich das Pferd einige Schritte zurückschicke (die Energie des Rückwärtsschickens muss dem jeweiligen Pferd angepasst werden, sonst kann es passieren, dass das Pferd rückwärts wegrennt oder einfach stur stehen bleibt) und frage es aus dem Rückwärts heraus wieder für Vorwärts. Sobald das Pferd einen Schritt vorwärts tut, nehme ich meine Energie weg und schaue, wie weit es geht. Womöglich bleibt es wieder vor der Rampe stehen, dann mach ich die Pause dort etwas kleiner, denn das war ja im Vergleich zu vorher ein kleines Ergebnis. Vielleicht geht es aber nun mit den Vorderfüßen auf die Rampe. Dann mache ich die Pause deutlich größer, denn das war ja ein größeres Ergebnis als vorher. Je nach Pferd gehe ich dann sogar rückwärts komplett vom Hänger weg und lasse es sogar Gras fressen. Denn somit nehme ich den Druck weg und ich mache genau das Gegenteil von dem, was ja die meisten Menschen tun, wenn Sie ein Pferd verladen, nämlich je näher das Pferd am/im Hänger steht, desto mehr Energie und Zug und Zwang wird angewandt.

Schauen Sie mal beim Verladen auf Turnierplätzen zu und Sie werden sehen, dass, je mehr vom Pferdekörper schon im Hänger ist, desto mehr Kraft und Energie die Menschen aufwenden, um auch noch den letzten Rest in den Hänger zu zwängen, schnell die Stange und Rampe zu schließen und wegzufahren. Tja, und beim nächsten Mal wundern sich viele, dass dieses Pferd noch nicht einmal mehr in die Nähe der Rampe gehen will. Das ist ein Teufelskreis. Wenn ich das Pferd kurz weg vom Hänger geführt habe, nehme ich wieder meinen Platz an den Rücklichtern an der Seite ein und frage das Pferd wieder für Vorwärts. Oft ist es so, dass das Pferd nun noch weiter die Rampe hoch läuft, da es festgestellt hat, dass es ja wieder weg vom Hänger gehen kann. Tut es dies, mache ich wieder eine größere Pause und lasse es danach wieder die Rampe rückwärts heruntergehen, bevor ich es erneut für vorwärts frage. In den meisten Fällen ist es so, dass das Pferd nun immer mutiger wird und immer weiter in den Hänger hinein läuft, bis es irgendwann ganz drin ist und vielleicht nach einer Sekunde wieder rückwärts heraus stürmt und das ist in Ordnung, denn es möchte sicher gehen, dass niemand die Stange einhängt. Wenn es das erste Mal ganz drin war, kann es sein, dass im optimalen Falle nun der Schalter umgelegt ist und das Pferd nun immer wieder in den Hänger geht und sogar immer länger drin bleibt.

Es kann aber auch sein, dass es nach 10 Minuten das erste Mal im Hänger ist und dann alle Register zieht und erst nach einer Stunde wieder in den Hänger geht. Womöglich wird es in der Zwischenzeit versuchen, sich quer zu stellen, dann korrigiere ich es, ohne meinen Platz zu verlassen, mithilfe des Sticks als Armverlängerung. Vielleicht auch wird das Pferd steigen oder versuchen wegzulaufen. Wichtig ist, dass ich immer ruhig, fair und gelassen bleibe und keine Emotionen in mir hochkommen lasse. Es reicht, wenn das Pferd emotional ist, dann wäre es fatal, wenn ich nun auch noch die Emotionen hochkochen lasse. Ich werde einfach immer beharrlich und freundlich, aber bestimmt alle falschen Positionen des Pferdes korrigieren und unbequem machen, jedoch, sobald das Pferd auch nur den Anschein macht, wieder gerade in Richtung Rampe zu kommen, werde ich alle Energien herunterfahren, das Führseil hängen lassen und ein Liedchen pfeifen und dabei lächeln. Bitte bleiben Sie freundlich und geduldig und sollten Sie merken, dass Ihnen gleich der Kragen platzt und sie schon den innigen Wunsch verspüren, Ihr Pferd zu verprügeln und zum Metzger zu bringen, dann nehmen Sie das nächste annähernd gute Ergebnis, um an dieser Stelle für heute die Aktion zu beenden. Ja, sie haben richtig gelesen – BEENDEN!!! Denn sonst machen Sie womöglich mehr kaputt, als sie wieder gutmachen können. Und es ist nicht schlimm, heute die Aktion damit zu beenden, wenn das Pferd mit den Vorderfüßen auf der Rampe steht und morgen eben genau da weiterzumachen und dann weiterzugehen. Oft ist es sogar so, dass nach einer Pause das Ganze viel einfacher weitergeht, da die Gemüter wieder beruhigt sind und das Pferd festgestellt hat, dass es nun eben nicht mehr in den Hänger gezwungen wird und oft geht es sogar ganz schnell, dass das Pferd dann freiwillig in den Hänger geht. Sie müssen diese Sache auch nicht am Stück an einem Tag durchziehen, wenn es für Sie stimmiger ist, dann teilen Sie es doch auf eine Woche auf. Sie sehen, wenn man beginnt, dann weiß man nicht, wie lange es dauert und was das Pferd alles tun wird. Nur eines ist sicher: Wenn Sie Ruhe, Freundlichkeit und Fairness bewahren, dann ist Ihnen der Erfolg sicher und in 20 Jahren Erfahrung mit allen möglichen Rassen, großen und kleinen Pferden, Pferden mit schweren Hängerunfällen, Pferden, die Angst hatten, und Pferden, die einfach keinen Bock hatten, in den Hänger zu gehen, habe ich eines festgestellt: Am Ende waren in all diesen Jahren alle Pferde im Hänger und meist leicht von demjenigen zu verladen, der die gleichen Techniken wie ich anwendet und die gleiche Einstellung an den Tag legt. Ob das so geblieben ist, das hängt von den Besitzern ab.

100_2175 100_2176 100_2189 100_2188Nächste Woche geht es an dieser Stelle weiter mit dem Thema Hängerverladen, dann geht es darum, dass das Pferd auch im Hänger bleibt und wir weg fahren können.

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