Die 6 wichtigsten Voraussetzungen um mit Pferden „gut“ zu sein

Wenn ich hier von den 6 wichtigsten Voraussetzungen schreibe um mit Pferden vorzügliche Ergebnisse zu erreichen, dann spreche ich aus meiner eigenen Erfahrung und das heißt nicht, dass es nicht andere Möglichkeiten und Wege gibt. Dies ist meine persönliche Meinung, die auf meinen Erfahrungen der letzten 30 Jahre basiert.

  1. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, sollte ich über das Wissen verfügen, wie Pferde denken und wie sie lernen wollen. Ich sollte Pferde gut lesen können und mein Anliegen pferdegerecht ans Pferd transportieren können, ich sollte gut „pferdisch“ kommunizieren. Dies ist gewöhnlich keine dem Menschen angeborene Gabe, sondern dies kann man erlernen, so wie man jede Fremdsprache erlernen kann. Und wie bei jeder Fremdsprache, ist auch hier viel Zeit und Üben des Menschen notwendig um gute Ergebnisse zu bekommen.
  1. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, sollte ich Strategien und Techniken kennen, die mir helfen meine Wünsche dem Pferd nahe zu bringen, hier greife ich persönlich auf die Techniken aus dem Natural Horsemanship zurück. Ich habe allerdings in den letzten 30 Jahren festgestellt, dass es hier ähnlich ist wie beim Erlernen jeder neuen Sache oder Sportart, man benötigt möglichst viel Übung. Wie lange benötigen Sie um z.B. gut Tennis zu spielen, oder Fußball, oder Ballett, etc….?
  1. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, dann sollte ich auf Ausrüstung verzichten, die Zwang in jeglicher Form erzeugt, also z.B. das Pferd in eine bestimmte Haltung zwingt oder sich zuzieht oder Hebelwirkung erzeugt. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, sollte ich dahin kommen, dass ein Pferd freiwillig all diese Dinge für mich tut. Zwang ist Druck und Druck erzeugt immer Gegendruck auf psychischer und physischer Ebene und hat einen üblen Nachgeschmack. Für welchen Chef arbeiten Sie lieber, für den der sie zwingt oder für den, der sie überzeugt?
  1. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, dann sollte ich über physische Fitness verfügen. D.h. nicht, dass ich einen Marathon laufen muss, sondern eher, dass ich mich schnell und geschickt an die Gegebenheiten anpassen kann und meinen Standpunkt so wählen kann, dass es für das gewünschte Ergebnis förderlich ist. Dies erfordert vor allem geistige Schnelligkeit und Flexibilität, die dann in physische Bewegung umgesetzt wird.
  1. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, dann sollte ich emotional fit sein, d.h., dass ich besonnen und ruhig bleiben kann, auch wenn die Situation aus den Fugen gerät . Es heißt auch dann souverän zu sein, wenn man gerade den Frust und Ärger in sich hoch kommen spürt. Hierzu gehört eine große Portion Selbstbeherrschung und auch, dass ich mein Ego zurück nehmen kann und einen klaren Kopf bewahre, auch wenn ich am liebsten schreien und um mich schlagen würde.
  1. Wenn ich mit Pferden wirklich gut werden will, dann sollte ich mental fit sein und meine Gedanken, Glaubenssätze und Programme im Gehirn bewusst beeinflussen können um durch die beste mentale Vorbereitung, den Weg zum bestmöglichen Ergebnis zu ebnen. Denn alles beginnt in unserem Kopf als Gedanke und wird dann Realität, bei Pferden oft schneller als im restlichen Leben.

Ich habe in meinem Leben erfahren, dass wer mit Pferden wirklich gut werden will, in erster Linie an sich selbst arbeiten muss, es ist immer auch ein großes Stück Persönlichkeitsentwicklung, Bewusstwerdung und Selbstdisziplin.

Je spezieller das Pferd, desto wichtiger sind diese Aspekte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier die „schwierigsten“ Pferde die größten Lehrmeister sind für uns Menschen.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de

Liebe Grüße Christiane Göbel

 

 

Ängstliches Pferd – die 8 häufigsten Fehler im Umgang mit ängstlichen Pferden

In den letzten 3-4 Jahren kommen immer mehr Pferde zu mir, die unter Panikattacken leiden, ich spreche hier nicht von ängstlichen Pferden, ich spreche hier von Pferden mit extremer Panik bis hin zu Todesängsten.

Ich frage mich natürlich ob es diese Pferde früher nicht gab, oder ob diese Pferde früher nicht zu mir gefunden haben, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass diese Eigenschaft sicher eine der gefährlichsten Eigenschaften am Pferd darstellt. Jeder der schon mal richtig Angst in seinem Leben hatte, weiß, dass in diesem Moment der normale Verstand ausschaltet.

Ein Pferd mit Todesangst wird über und durch alles hindurch gehen um sich aus seiner Sicht in Sicherheit zu bringen. Es wird dabei weder auf sich selbst noch auf Andere achten und bringt dadurch sich selbst und Andere in höchste Gefahr.

Ein respektloses Pferd kann man durch entsprechendes Handeln und Überzeugung relativ schnell respektvoller machen, doch wie ist das mit einem extrem ängstlichen Pferd? Und wo genau beginnt Angst und in welchen Stufen?

Nehmen wir mal folgende Situation, Du reitest gerade in der Reithalle, da kommt ein Stallnachbar mit einer großen Plastikplane in die Halle um diese auszubreiten um mit seinem Pferd zu üben. Die meisten Pferde, die gerade in der Halle geritten werden, während eine große Plastikplane in die Halle gezogen wird, werden eine Reaktion zeigen.

Diese Reaktion geht von neugierigem Ohrenspitzen, über angespanntem Gehen und Schnauben, über schreckhaftem zur Seite springen, abruptem Anhalten und erstarren bis hin zu durchgehen im Galopp oder ähnlichem. Hier lässt sich viel über das Grundnaturell des Pferdes sagen und wenn ich mein zukünftiges Reitpferd begutachte, das ich zu kaufen gedenke, dann ist es womöglich ratsam solche Situationen zu provozieren um Aufschluss über den Mut des Pferdes zu bekommen.(am besten ohne Reiter)

Doch bei diesen wirklich panischen Pferden, ist dieses Beispiel vielleicht schon eine zu große Reizüberflutung und wenn ich zu solchen Pferden gerufen werde, dann schau ich mir an, wie das Pferd reagiert, wenn man zu ihm geht, es auf halftert und z.B. zur Halle führt. Tatsächlich kann man hier schon viel erkennen. Schlurft das Pferd hinter seinem Besitzer her und ist tiefenentspannt? Oder ist es sehr wachsam und reagiert auf jedes Geräusch und jede Bewegung? Springt es weg vor Gefahren oder erstarrt es zur Salzsäule? Manchmal wird Angst mit Respekt verwechselt. Man kann alleine hier schon viel erkennen, wenn man genau hin schaut, denn nur weil das Pferd bei Gefahr ruhig stehen bleibt, heißt das nicht, dass es wirklich ruhig und entspannt ist. Womöglich ist es eher wie bei einer tickenden Zeitbombe, die im nächsten Moment explodiert wenn noch ein weiterer Reiz dazu kommt.

Ich gehe mit dem Pferd, welches mit Knotenhalfter und langem Führseil ausgestattet ist, in einen eingezäunten Bereich und binde an meinen Stick statt dem String eine Plastiktüte und während ich dies tue beobachte ich aus dem Augenwinkel das Pferd. Wie geht es mit dieser Situation um? Ist es schon beunruhigt weil ich die Tüte aus der Jackentasche gezogen habe, oder ist es neugierig oder möchte es schon hier am liebsten weglaufen? Dies gibt mir Aufschluss über die Intensität der Reize mit denen ich beginne nun die Tüte am Stick zu bewegen oder damit auf das Pferd zu zugehen. Dies alles tue ich in diesem Stadium nur vor dem Pferd, noch nicht seitlich, denn wenn es angst hat und davon weg gehen will, wird es wenn der Reiz vorne ist, eher rückwärts gehen und dies ist sicherer für mich.

Ich möchte keinen Extremfall auslösen, sondern nur einen Reiz erzeugen, der leichte Unruhe bis leichte Angst in dem Pferd erzeugt, so, dass es anfängt seine Füße zu bewegen. Dies darf es auch gerne tun, ich blockiere allerdings den Weg nach vorne, d.h. das Pferd darf gerne rückwärts und ggfls. Seitwärts gehen, denn dies wird es keine 2 Stunden tun, vorwärtsgehen schon, wenn es rückwärts geht, geh ich also vorwärts mit ihm und blockiere es nicht, denn irgendwo muss es mit seiner Angst-Energie hin, muss sie in Bewegung umwandeln. Damit ich das Pferd am vorwärtsgehen hindern kann, sollte entsprechend Respekt vorhanden sein und keine Unsicherheit aufkommen, denn ich werde diesen Reiz nun so lange fortsetzen, bis das Pferd etwas verändert.

Also angenommen, die Unruhe beginnt, als ich mit der Tüte von 2m vor dem Pferd beginne auf das Pferd zu zugehen, dann werde ich mich an dieser Stelle zwar nicht mehr nähern, sondern den Stick wieder entfernen um ihn im nächsten Moment wieder anzunähern in einem ruhigen und gleichmäßigen Rhytmus, bis an die heikle Grenze. Dieses Prinzip von Annäherung und Rückzug wiederhole ich ruhig und beharrlich so lange, bis das Pferd alle vier Füße auf dem Boden hat und für einen Moment steht und genau in diesem Moment, genau in dieser Sekunde(nicht 3 Sekunden früher und nicht 3 Sekunden später) beende ich den Reiz und parke die Tüte weit weg vom Pferd, so weit wie es mein Arm mit Stick erlaubt. Ich selbst nehme eine entspannte und neutrale Haltung ein und atme tief und ruhig, womöglich gähne ich sogar übertrieben, diese Haltung übrigens empfiehlt es sich bei dieser Übung die ganze Zeit einzunehmen.

Dabei beobachte ich das Pferd und warte auf Signale, die mir zeigen, dass es los lässt und ins Denken kommt. Woran erkenne ich dies?

In diesem Moment wo das Pferd zum Halten kommt, ist es oft wie in einer Starre, d.h. es blinzelt nicht, der komplette Körper erinnerte an eine Eissäule, alle Körperteile wie erstarrt und es scheint als würde es die Luft anhalten, manchmal stehen die Beine in einer unnatürlichen Haltung und werden nicht entspannt, der Unterkiefer ist fest, die Lippen werden aufeinander gepresst, Kopf und Hals werden hoch getragen und ich beobachte nun und warte auf eines oder mehrere der folgenden Zeichen: Es kann sein, das Pferd fängt wieder an zu blinzeln, die Ohren bewegen sich, es schüttelt den Kopf oder Schweif, es stellt die Gliedmaßen anders hin, es senkt den Kopf und Hals, auch wenn es nur 5mm sind und am besten ist es, wenn es dann anfängt zu kauen und die Lippen zu lecken. Dann ist der Vorgang meist abgeschlossen und ich beginne von vorne.

Wenn ich diesen Vorgang nicht geschehen lasse und gleich wieder weiter mache mit dem Reiz, dann kann es zu einer Explosion kommen. Wenn ich diesen Vorgang des Denkens und Lernens abschließen lasse, dann dauert es beim zweiten Versuch gewöhnlich nicht mehr so lange wie beim ersten Versuch, bis das Pferd den Reiz der Tüte auf der gleichen Entfernung wie vorher aushält und alle Beine zum Stillstand kommen. Und meist geht es jetzt auch schneller mit den Zeichen die das Pferd mir in der Pause sendet.

Es muss einem bewusst sein, dass es bis zu 5 Minuten und länger dauern kann, bis diese Zeichen beim ersten Mal erfolgen und das es ebenfalls 5 Minuten dauern kann, bis das Pferd auch nur den geringsten Reiz auf größter Entfernung einen Moment akzeptieren kann und die Füße still stehen lässt.

Ich wiederhole diesen Vorgang immer wieder und erhöhe den Reiz immer mehr, bis das Pferd zunehmend toleranter wird, zuerst den Reiz aushält, dann akzeptiert und schließlich einfach ruhig und entspannt da steht. Dies kann je nach Schweregrad Minuten, Stunden oder länger dauern und dann ist es noch von Bedeutung, wo ich morgen das Pferd bei dieser Übung abhole, muss ich wieder bei Null anfangen oder beginnen wir sofort mit einer größeren Akzeptanz und Ruhe?

Und tatsächlich werde ich das Pferd hier von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat mit immer größeren Reizen konfrontieren und wenn ich alles richtig mache, dann wird das Pferd immer ruhiger mit neuen Reizen umgehen und die Bekannten ruhig und gelassen akzeptieren. Dennoch gibt es natürlich Pferde, die auch mit aller Vorbereitung ihr Leben lang etwas unberechenbarer sein werden als andere und dies liegt oft auch im angeborenen Naturell zugrunde. Diese speziellen Pferde muss ich womöglich immer intensiv am Boden vorbereiten, bevor ich sie z.B. reiten möchte, um böse Überraschungen zu vermeiden, es sei denn ich mag Überraschungen 🙂

Häufige Fehler die im Umgang mit ängstlichen Pferden passieren sind:

  1. Der Reiz wird gleich zu hoch gesetzt und das Pferd überfordert, hier kann es zu gefährlichen Situationen für Mensch und Pferd kommen.
  2. Der Reiz wird beendet, bevor das Pferd etwas verändert hat und die Füße zum Stillstand kommen, dies macht das Pferd noch ängstlicher, denn es wird bestätigt in seiner Annahme, dass Flucht den Reiz weg nimmt.
  3. Die Pause zum Denken und Verstehen ist zu kurz und das Pferd konnte nichts lernen und wird von mal zu mal ängstlicher.
  4. Zu wenige Wiederholungen auf der gleichen Reizebene um das Erreichte zu festigen, ich muss immer wieder bei Null beginnen.
  5. Der Mensch will das Pferd mit Worten und Anfassen beruhigen und bewegt sich in Zeitlupe um das Pferd zu schonen, was dem Pferd noch mehr Angst macht.
  6. Der Mensch hat keine tiefenentspannte Atmung und Körperhaltung
  7. Der Mensch bekommt Angst vor der Angstreaktion des Pferdes und beendet im „falschen“ Moment die Übung, den Reiz.
  8. Das Pferd wird für seine Angst „bestraft“ und bekommt noch mehr Angst.

Da die Arbeit mit einem dieser extrem ängstlichen Pferde mit Todesangst sehr gefährlich sein kann, gehört diese Arbeit in die Hände von Profis oder zumindest unter die Aufsicht eines solchen.

Wenn Du also solch ein Pferd daheim hast, ist es manchmal sicherer und sinnvoller eine/n Trainer/in seines Vertrauens hinzu zu ziehen.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de

Liebe Grüße Christiane Göbel

 

Die Angst vor Phase 4 …

…oder, warum Phase 4 brutal, gewalttätig, gemein und unfair sein kann…. Die meisten Horsemanshipler haben sicher schon mal von den vier Phasen der Bestimmtheit gehört. Für alle die diese 4 Phasen nicht kennen, hier ein Beispiel aus der Pferdewelt: Pferd A ist ranghoch und Pferd B ist rangnieder. Wenn nun Pferd A, Pferd B bewegen will oder es in der Bewegung einschränken will(denn dies tun ranghohe Pferde, sie schränken andere in der Bewegung ein oder bewegen sie), dann nutzt Pferd A in Zeitlupe betrachtet 4 Phasen.

Phase 1 ist von außen sichtbar als Ohrenanlegen und Drohgesicht. Wenn Pferd B daraufhin keine Reaktion zeigt, kommt in Zeitlupe betrachtet Phase 2, diese besteht aus Phase 1 zuzüglich Phase 2, die sichtbar wird durch ungleichmäßiges rythmisches Bewegen von Kopf und/oder Schweif von Pferd A. Wenn Pferd B nicht entsprechend reagiert, dann wird Pferd A zu Phase 3 übergehen, diese beinhaltet Phase 1 und 2 und Phase 3, die sichtbar wird durch annähern von Pferd A an Pferd B. Was dann passiert, wenn Pferd B nicht die gewünschte Reaktion zeigt, haben sicher die meisten Pferdeleute schon gesehen, Pferd A wird Pferd B berühren, d.h. seine Zähne und/oder Hufe werden Pferd B streifen oder knallhart treffen. Pferde sind hier nicht zimperlich und sicher hat der ein oder andere auch schon Tierarztkosten nach solch einer „Berührung“ bezahlt oder hatte so wie ich, sogar einen Todesfall durch „Phase 4“ eines Pferdes in der Herde.

Nun, das ist nichts, was Menschen sich ausgedacht haben, oder nur Pferde in Gefangenschaft tun, das ist die pure Realität eines Pferdelebens und bei Hunden ist es ähnlich. Entweder man hat was zu sagen, d.h. man schränkt die andern Pferde in der Bewegung ein, bzw. man bewegt die anderen Pferde, so wie man das gerne hätte, oder man ist der, der folgt, dann muss man sich in der Bewegung einschränken lassen, bzw. bewegen lassen oder man hat einen schmerzhaften Kontakt mit Hufen und/oder Zähnen vom ranghöheren Pferd.

Meist jedoch kommt es nicht zu Phase 4, weil Pferd A entweder in der Vergangenheit schon einmal bewiesen hat, das es keine Skrupel hat zu Phase 4 zu kommen und diese auch angemessen hoch dosieren kann und/oder es hat so eine enorme Präsenz, dass Phase 1 und 2 schon entsprechend wirken. Natürlich hängt es auch von der Persönlichkeit von Pferd B ab, ob es eher devot ist und schnell genug weg geht oder ob es an der Präsenz von Pferd A zweifelt und diese in Frage stellt und die Situation aussitzt.

Da ich persönlich als Mensch unter Pferden auf alle Fälle nicht die Rolle von Pferd B haben möchte, muss ich die Rolle von Pferd A einnehmen und wenn meine Präsenz nicht ausreicht oder mein Gegenüber noch präsenter ist als ich, dann muss ich in Pferdemanier durchgreifen und womöglich das Pferd „berühren“(dies kann mit meinem Körper oder auch einem Stick, Gerte, Strick geschehen), was selbst im extremsten Fall niemals an die Intensität heran kommt, die Pferde untereinander nutzen.

Dies wird allgemeinen Phase 4 genannt, früher nannte ich es „touchieren“ um ein Wort zu nutzen, dass sich nicht wie „schlagen“ anhört(denn richtig benutzt ist es KEIN schlagen), doch heute benutze ich nur noch das Wort „berühren“. Dieses Wort ist völlig neutral, ich kann liebevoll berühren und ich kann bestimmt berühren. Es ist auch nicht die Berührung, die das gewünschte Ergebnis bringt, auch nicht immer die Intensität der Berührung, sondern das WIE. Wie ich das Pferd berühre, unabhängig von der Intensität, ist mit die wichtigste Qualität! Also in welcher Energie ICH als Mensch dies tue!

Leider verwechseln viele Menschen „berühren“ mit „schlagen“ und „Konsequenz“ und „Bestimmtheit“ mit „Wut und Aggression“ und diese Menschen sind es dann auch, die meist ein Problem mit Phase 4 haben und in einen inneren Konflikt geraten. Oft haben diese Menschen dann sogar noch ein Pferd, welches genau hier den Finger in die Wunde legt und nicht leicht zu überzeugen ist und sogar aktiv respektlos ist, also dem Menschen droht und gefährlich wird.

Wenn du also auch zu diesen Menschen gehörst, dann darfst Du nun zuerst einmal einen Blick in Dein restliches Leben werfen, völlig urteilsfrei und neutral ohne zu werten.

Kann es sein, dass Du Dich schwer abgrenzen kannst?

Kann es sein, dass Du gute Miene zum bösen Spiel machst?

Kann es sein, dass Du gefallen willst, geliebt werden willst und deshalb Kompromisse machst, die Dich insgeheim ärgern?

Kann es sein, dass Du so lange „aushältst“ und „erträgst“ bis der eine Tropfen Wasser das Fass zum überlaufen bringt und Du wie eine tickende Zeitbombe explodierst und die Leute um Dich rum völlig perplex sind, was denn plötzlich mit Dir, die sonst so „nett“ ist, los ist?

Wie oft hast Du schon gelächelt und gesagt „alles sei gut“, obwohl Du innerlich am Ende warst?

Vielleicht weißt Du schon was ich meine, also wenn hier ein oder gar mehrere Punkte auf Dich zutreffen, dann solltest du fairerweise Dein Verhalten ändern und authentisch sein, denn sonst wird Phase 4 unter Umständen brutal, gewalttätig, gemein und unfair, zumindest wird es so vom Gegenüber empfunden, da Du in einer ärgerlichen, frustrierten oder gar wütenden Energie bist.

Und wenn Du als Mensch immer „schonen“ willst und „nett“ erscheinen willst, wenn Du mit Wattebäuschen um Dich wirfst und bluffen tust, dann darfst Du nicht erwarten, dass Dich jemand ernst nimmt, egal ob es ein Mensch oder ein Tier ist. Gerade Pferde wollen Authentizität und einen fairen, souveränen Führer, der klar kommuniziert, ohne zu beschönigen und ohne Umschweife auf den Punkt kommt und Regeln setzt und durchsetzt, dann ist auch keine Phase 4 mehr notwendig, dann reicht Phase 1.

Wenn Du allerdings schon ein paar Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre dieses Thema mit Deinem Pferd durchläufst, kann es sein, dass um dieses schon entstandene Muster zu verändern, eine von außen als Mensch betrachtet sehr intensive Berührungen des Pferdes notwendig ist um es zu beeindrucken, ohne dabei in eine ärgerliche, frustrierte oder gar wütende und aggressive Energie zu kommen.

So lange Du dies als unfair, als schlagen oder gar als gewalttätig ansiehst, sei es auch nur in Deinem tiefsten Innern, kannst Du dies nicht umsetzten, denn damit hat es nichts, rein gar nichts zu tun(sonst wären ja alle Pferde gewalttätiger Schläger und das kann ich nicht glauben…) und wenn Du es so bewertest, dann wird sich das Pferd bei einer solchen Berührung auch so fühlen, als ob es gewalttätig, brutal geschlagen wird und darauf reagiert jedes Pferd etwas anders.

Es ist nicht damit getan einfach so zu tun, als sei man souverän, ruhig und bestimmt, man muss es wirklich sein und dies kann beim Menschen ein langwieriger Prozess sein, denn wie schon erwähnt, zieht sich dies womöglich wie ein roter Faden durchs Leben und zeigt sich nun beim Pferd, denn Pferde sind perfekte Spiegel unserer Selbst. Nicht immer gefällt Dir was Du im Spiegel siehst, doch wenn Dir dein Spiegelbild nicht gefällt, nutzt es nichts den Spiegel zu putzen….

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Liebe Grüße Christiane Göbel

Wie bringe ich meinem Pferd den spanischen Schritt bei?

Wie bringe ich meinem Pferd den spanischen Schritt bei?

Wie lege ich ein Pferd hin? Wie lernt mein Pferd piaffieren? Wie lehre ich mein Pferd den Schulhalt? Wie komme ich zum Verbeugen des Pferdes?

Diese und ähnliche Fragen erhalte ich immer wieder von Schülern und ich erinnere mich noch sehr gut an meine Anfänge im Horsemanship, wo ich natürlich auch gerne „spektakuläre“ Dinge wie hinlegen und ähnliches meinem Pferd beibringen wollte, und von meinen Lehrern Antworten erhielt wie: „Das gehört nicht zu diesem Level“ oder „Das kommt erst im übernächsten Level dran“ „Du bist noch nicht so weit“ „Dein Pferd ist noch nicht so weit“ „Lerne zuerst die Basics“ usw…..

Das wollte ich damals nicht hören, ich wollte einfach Lösungen für meine Wünsche und was das Hinlegen meines Pferdes betraf, suchte ich mir Lösungen und schaffte es auch. An dem Tag, als ich mein damals 3jähriges Pferd das erste Mal hinlegte, fuhren wir sofort anschließend ins Krankenhaus, denn ich hatte mir die Schulter dabei ausgerenkt und hatte somit noch Jahre später ein schmerzhaftes Andenken an diesen Tag. Das war mein Preis und dafür legte sich mein Wallach dann zum Glück sein ganzes Leben lang auf Kommando hin. Doch war es den Preis dieses körperlichen Leidens wert? Ich hatte ihn mit Hilfe der Fußlonge hingelegt, was bei sachgemäßem und erfahrenen Umgang und als reine Unterstützung und ohne Zwang, keine schlechte Sache ist, doch ich hatte weder das Timing, noch die Erfahrung, noch das Wissen wann ich wie viel Druck anwenden durfte, sollte und konnte und was ich wann belohnen musste. Ich versuchte mein Nichtwissen mit einem Kraftakt zu übertünchen und kräftemäßig sind die Pferde nun mal überlegen…..

Dies war nur einer der vielen Krankenhausbesuche in der Notaufnahme, die ich meiner Ungeduld, meinem Halbwissen und meinem fehlenden Einfühlungsvermögen zu verdanken hatte. Heute, 20 Jahre später kann ich darüber nur lächeln und wenn mich heute Schüler fragen, wie sie ihr Pferd hinlegen können, das piaffieren beibringen, spanischer Schritt etc….dann möchte ein Teil von mir einfach erklären wie es geht und der andere Teil würde gerne erklären, wie wichtig vorher all die anderen Dinge in der Kommunikation mit dem Pferd sind oder überhaupt erst einmal eine sehr gute Kommunikation zu haben. Ich bin jedes Mal in einem Zwiespalt und manchmal sehe ich, dass weder Pferd noch Mensch an einem Punkt sind solche Lektionen zu erlernen.

Wie oft sehe ich dann noch Menschen mit Ihren Pferden, deren Pferde bei jeder Berührung an der Schulter mit dem Vorderbein nach vorne raus keilen, da sie denken, der spanische Schritt sei gefragt, oder Pferde, die beim Hufe heben ins Kompliment gehen wollen. Dies alles kann gefährlich werden. Was ist der Grund dafür? Aus meiner heutigen Sicht ist fehlendes Bewusstsein über den Einbau der ausführenden „Knöpfe“ hier die Hauptursache. Da hat Mensch irgendwo gesehen, dass zum Abfragen z.B. des spanischen Schrittes die Schulter touchiert wird. Doch tatsächlich ist dies das Letzte was passiert, all die Schritte vorher sind nämlich unsichtbar bis kaum sichtbar, wenn ich sie jedoch auslasse, dann bekomme ich ein Pferd, welches beim z.B. berühren der Schulter nach vorne ausholt, da es dies so gelernt hat und da kann das Pferd nichts dafür. Das – was passiert -, bevor etwas passiert, das ist es worauf es ankommt. Wenn die Schritte vorher den spanischen Schritt anstreben, dann sehen diese anders aus, als die Schritte, die beim touchieren der Schulter das Pferd für rückwärts fragen. Tatsächlich kann man nonverbal schreien und nonverbal flüstern. Beim berühren der Schulter schreit man schon nonverbal, während die fast unsichtbaren Schritte vorher wie ein Flüstern sind. Und der erstes Schritt kann nur ein Gedanke sein in einer bestimmten Körperhaltung und dieser erste Schritt muss auch erst einmal wirken können, vielleicht gefühlte 5 Minuten(tatsächlich 5 Sekunden) bevor der nächste, schon minimal sichtbare Schritt kommt und wieder wirken muss, dann kommt der dritte Schritt den man schon sehen kann und das berühren der Schulter ist der vierte und letzte Schritt, sozusagen die ausführende Kraft, die später nicht mehr benötigt wird, wenn ich den „Knopf“ richtig eingebaut habe. Und dann benötige ich als Mensch die Ruhe und Souveränität diese ganze Zeit des Wirken lassens und anscheinend nichts passierens auszuhalten in der Gewissheit, dass dies der richtige Weg ist…..Und genau so wichtig ist es, zu erkennen, wann das Pferd anfängt richtig zu denken – und dies SOFORT zu belohnen, nicht erst das Ergebnis. D.h., ich muss das Gespür und Wissen haben zu erkennen, wann das Pferd in die richtige Richtung denkt und die geringste körperliche Veränderung und Gewichtsverlagerung belohnen um immer größerer Ergebnisse zu bekommen. Und ich habe selbst bei professionellen Pferdeleuten beobachtet, dass sie dies nicht tun. Und dann muss ich noch wissen wie mein Pferd gelobt werden will…

Voraussetzung für den Erfolg sind folgende 8 Punkte:

  1. Absolute Körperbeherrschung in immer der gleichen Reihenfolge
  2. Absolut gutes Timing in Sekundenbruchteilen
  3. Belohnung minimalster und kaum sichtbarer Erfolge
  4. Ein absolut feines Gefühl für Veränderungen auf kaum sichtbarer Ebene
  5. Absolute Selbstbeherrschung statt Ungeduld
  6. Erkennen und Bestätigen der minimalsten Geistesveränderungen der Pferde
  7. Absolute Ruhe und Souveränität bei Abweichungen
  8. Wissen über die Motivationsknöpfe der verschiedenen Pferdetypen

Wenn Du hier alle Qualitäten besitzt und dann den richtigen Weg gehst, so dass Dein Pferd das erlernte „Kunststück“ dann auch tatsächlich nur dann anbietet, wenn Du danach fragst, dann gibt es fast unendliche Möglichkeiten zum Lernen für Dich und Dein Pferd.

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Liebe Grüße Christiane Göbel

Wie wollen Pferde belohnt werden?

Wie wollen Pferde belohnt werden? Braucht man Leckerli zum belohnen, oder reichen nette Worte? Reicht es den Reiz weg zu nehmen oder muss ich das Pferd streicheln? Was ist positive und was negative Verstärkung?

Meiner Erfahrung nach gibt es hier keine Pauschallösung was das Belohnen von Pferden angeht. Pferde in artgerechter, naturnaher Haltung, die selbst entscheiden, wann und wie viel sie fressen, wohin sie gehen und was sie tun, die verbringen einen Großteil des Tages mit Fressen, dann spielen und schlafen oder dösen. Pferde lieben es Komfort zu haben und nach Befriedigung Ihrer Bedürfnisse einfach zu chillen. Wenn man Pferde in so einer Herde beobachtet, dann sieht man, wie diese Pferde sich belohnen. Angenommen ein ranghohes Pferd schickt ein rangniederes Pferd weg, dann nimmt es diesem rangniederen Pferd für diesen Moment den Komfort weg, den Komfort zu tun und zu lassen was es will, den Komfort einfach rum zu stehen oder irgendwo hin zu gehen und wenn das rangniedere Pferd dem ranghöheren weicht, dann „schenkt“ das ranghöhere dem rangniederen Pferd dafür den Komfort zurück und lässt es in Ruhe. Also belohnen sich Pferde dadurch, dass sie nach dem setzen eines Reizes, diesen weg nehmen, dies wird im Volksmund auch „negative“ Verstärkung genannt.

In vielen Berichten wird empfohlen mit „positiver“ Verstärkung zu arbeiten. Dies würde heißen, das ranghöhere Pferd wartet bis das rangniedere sich in eine bestimmte Richtung bewegt und verstärkt dies dann mit Lob in Form von z.B. Futter oder Streicheln, liebe Worte…. ich habe dies in über 30 Jahren noch nicht bei Pferden beobachten können. Und ja, wir sind Menschen und keine Pferde und können natürlich auch anders handeln, jedoch wenn ich z.B. in Japan bin, dann ist es sicher einfacher, so zu sprechen und zu handeln, wie es in Japan üblich ist. Also ist es womöglich auch für uns als Menschen leichter unter Pfeden so zu denken und zu handeln, wie Pferde es tun würden.

Manchmal wird auch behauptet, das Setzen eines Reizes entspreche nicht der Natur des Pferdes und dennoch kann ich dies täglich in Pferdeherden beobachten. Es wird ein Reiz gesetzt, also ein ranghohes Pferd legt die Ohren an, droht und beißt und tritt auch falls die anderen Reize nicht funktionieren. Was soll daran so falsch sein, wenn Pferde so untereinander funktionieren? Manchmal höre ich: “Das hat mit Manipulation zu tun und das will ich nicht.“ Tatsächlich ist doch streng genommen Manipulation an der Tagesordnung in Sozialen Gefügen, egal ob Mensch oder Tier. Ist nicht sogar das ganze Leben letztendlich Manipulation? Und ist Manipulation etwas Negatives oder Positives oder ist es einfach nur das was es ist, nämlich Beeinflussung des Gegenübers und dies kann doch in jede Richtung funktionieren. Wenn wir einem Kind Sanktionen androhen, falls es sein Zimmer nicht aufräumt oder ihm ein Eis versprechen, wenn es das Zimmer aufräumt – in beiden Fällen beeinflusse, also manipuliere ich das Kind.

Wie ein Pferd dann letztendlich belohnt werden will, das ist von Pferd zu Pferd etwas unterschiedlich und es ist hilfreich die Motivationsknöpfe seines Pferdes zu kennen. Gewöhnlich arbeite ich selbst so wie Pferde es auch tun, ich setze einen Reiz und wenn das Pferd die gewünschte Reaktion zeigt, dann entferne ich den Reiz, was von den meisten Pferden als Belohnung empfunden wird. Dann gibt es Pferde, die unterstütze ich noch zusätzlich mit streichelnder Berührung, jedoch gibt es Pferde, die empfinden diese streichelnde Berührung nicht als Lob, vielleicht wollen sie einfach nicht angefasst werden. Andere Pferde wiederum sind noch zusätzlich mit Futter zu motivieren, während es auch Pferde gibt, die nicht mit Futter zu motivieren sind oder andere, die so stark aufs Futter fokussiert sind, dass sie nicht mehr denken können und nur noch fressen im Kopf haben ohne nachzudenken. Auch gibt es tatsächlich Pferde, die auf Stimmlob reagieren und dies als Lob empfinden, während andere völlig teilnahmslos darauf ansprechen. Wie schon eingangs erwähnt, gibt es keine Pauschale und ich bin bestrebt jedes Pferd so zu loben und zu motivieren, wie es gelobt und motiviert werden möchte, denn dies bringt den größten Erfolg. Also empfehle ich Dir, höre auf Dein Gefühl und schau Dir an, was Dich und Dein Pferd am besten weiter bringt, was am leichtesten und erfolgreichsten zum Ziel führt.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

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Liebe Grüße Christiane Göbel

Problempferd – 5 Ursachen, warum Pferde beim neuen Besitzer Probleme bekommen

Kennst du das auch? Ein Pferd ist vor dem Kauf beim Proberitt lammfromm und wird nach dem Kauf beim neuen Besitzer zum Problempferd und das hat sicher nur sehr selten damit zu tun, dass ein Pferd ruhig gestellt wurde beim Verkauf…. Ich höre solche Fälle der Verwandlung nach dem Kauf immer wieder und natürlich gibt es viele unterschiedliche Gründe dafür, ich werde nachfolgend die meisten mir bekannten Ursachen hierfür erläutern. Und natürlich geht das auch anders herum, ein angebliches Problempferd wird nach dem Verkauf beim neuen Besitzer lammfromm, hier ist es vielleicht genau umgekehrt…

  1. Das Pferd kommt aus einer ganzjährigen Herdenhaltung im Offenstall und beim neuen Besitzer steht es z.B. nachts in der Box und tagsüber im Einzelpaddock oder ähnliches. Dieser nicht unerhebliche Lebenswandel kann ein Pferd von seinem Verhalten her komplett verändern, muss es aber nicht. Es gibt Pferde, denen scheint das gar nichts auszumachen und es gibt Pferde bei denen dies Probleme im Umgang und beim Reiten verursacht, die von harmlos bis gefährlich tendieren können. Hier ist die Lösung im Grunde einfach, denn eine Umstellung auf die alten Haltungsbedingungen werden diesem Pferd mit Bewegungsmangel und Langeweile weiterhelfen, wenn nicht noch die folgenden Gründe hinzu kommen.
  2. Der Vorbesitzer hat eine andere Energie als der neue Besitzer und das Pferd kommt damit nicht klar. Jeder Mensch und jedes Pferd haben eine bestimmtes Grundnaturell und eine gewisse Energie, die sie ausstrahlen. Die einen sind eher langsam, die anderen eher schnell, die einen sind laut, die anderen leise, die einen sind achtsam und bewusst, die anderen eher rüpelhaft und übergriffig, usw…..auch hier gibt es Pferde, die das locker weg stecken und dann gibt es welche, die zum „Problem“ mutieren. Wenn z.B. ein ängstliches Pferd einen Vorbesitzer hatte, der ihm ruhig und souverän die fehlende Sicherheit geben konnte, und der neue Besitzer ist selbst sehr unsicher und eher ängstlich, dann wird es nicht lange dauern und das Pferd wird Herausforderungen an den Tag legen, die nicht so gekommen wären, wenn der neue Besitzer ihm die nötige Sicherheit geben könnte. Ebenso kann es sein, dass es sich um ein sehr präsentes Pferd mit Hang zur Respektlosigkeit handelt und es hatte vielleicht einen Vorbesitzer, der ihm Grenzen setzen und es überzeugen konnte, während der neue Besitzer eher mit Wattebäuschen um sich wirft und die Sache nicht auf den Punkt bringt. Egal wie, aber wenn es am Menschen liegt, dann gibt es meines Erachtens nur drei Möglichkeiten: entweder der Mensch arbeitet an seiner Persönlichkeit und an seinen Führungsqualitäten, oder er verkauft das Pferd wieder oder er lernt mit einem „Problem“ zu leben. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass wir durch Pferde sehr viel über uns selbst lernen können, wenn wir offen dafür sind und bereit dafür, uns wertfrei und dennoch realistisch die Situation zu betrachten, evtl. auch den Rat eines Fachmannes/frau zu holen und dann ins Handeln kommen.
  3. Das Pferd wurde vorher mit Westernsattel und Kandare geritten und nun z.B. mit Baumlosen Sattel und Sidepull. Dies muss nicht zwangsläufig zu Problemen führen, so wie auch alle vorgenannten Punkte, aber es kann und dann sollte man sich anschauen, was anders ist, was nicht passt oder wie dieses Pferd gehändelt und geritten werden möchte. Sicher ist es sehr wichtig passende Ausrüstungsgegenstände zu benutzen, doch oft kommt es nicht so sehr darauf an, WAS man verwendet, sondern WIE man es verwendet und hier ist wieder reelle Selbstreflexion gefragt. Ich kenne Reiter, die mit harter Hand und ständig klopfendem Schenkel so reiten, dass es eher an einen Kampf erinnert und die von sich selbst ein anderes Bild haben und sogar andere dafür verurteilen, wenn sie so reiten. Hier hilft es, sich einmal eine halbe Stunde am Pferd zu filmen und dann selbstkritisch anzuschauen, was einem auffällt.
  4. Beim alten Besitzer herrschte auf dem Hof eine lockere und entspannte Atmosphäre, die Menschen und Tiere hatten Spaß, während auf dem Hof des neuen Besitzer Stress und Anspannung in der Luft liegt und alles auf die Waagschale gelegt wird, es werden nur Fehler gesucht und von Spaß hat noch nie jemand was gehört. Sicher übertreibe ich hier vielleicht, aber ich möchte verdeutlichen, dass auch die Energie im Stall, bei den Menschen am Hof und auf dem Hof generell einen Einfluss auf Pferde haben. Ich persönlich komme durch meine Tätigkeit als Trainerin und Kursleiterin auf sehr viele unterschiedliche Anlagen und weiß wovon ich spreche. Da gibt es Anlagen, da kommt man auf den Hof und würde am liebsten nie mehr abreisen, lauter nette Leute, tolle Anlage, entspannte Pferde, wie im Paradies und dann kommt man auf Anlagen, da würde man am liebsten auf dem Absatz umkehren, so schwer und ablehnend fühlt sich die Energie vor Ort an. Wenn wir Menschen so etwas wahrnehmen können, wie viel intensiver spüren Pferde solche Energien?
  5. Das Pferd wurde beim Vorbesitzer so gefüttert, dass es im Sommer 24 Std. Gras und im Winter 24 Std. Heu fressen konnte. Kraftfutter wurde nicht gefüttert, nur Mineralfutter und Lecksteine. Beim neuen Besitzer bekommt es morgens und abends etwas Heu und 5 x täglich Kraftfutter. Dies kann bei manchem Pferden, gerade in Kombination mit den anderen vier Punkten zu Problemen führen und wenn man davon ausgeht, dass Pferde in der Natur 14 Stunden und mehr mit fressen beschäftigt sind, während in vielen Ställen so wenig Heu gefüttert wird, dass es nach 2 Stunden aufgefressen ist, dann liegt das sicher nicht in der Natur des Lebewesens Pferd, welches andere Abläufe in der Nahrungsaufnahme hat, als z.B. unsere Hunde oder wir selbst. Hier kann unter Beachtung der anderen Punkte mit einer Umstellung des Futters wieder Normalität eintreten.

Natürlich sind das nur einige wenige der vielen Möglichkeiten, die es gibt, warum ein Pferd sein Verhalten nach dem Kauf verändert, es soll Dir Anlass zum Nachdenken und Hinterfragen geben um an die Ursache des Problems zu kommen. Und eines ist bei Menschen und Pferden ähnlich, die einen sind total sensibel, bekommen bei jedem Wetterumschwung Depressionen und können nach einem Streit 3 Nächte nicht schlafen und die anderen scheinen mit einem Panzer durchs leben zu fahren, merken nichts was im Umfeld passiert oder stecken es gleich weg und leben ihr Leben weiter.

Zu mir hat mal einer gesagt: „Den einen schaust Du schief auf den Fuß und die bekommen eine Depression und den andern trittst Du richtig fest auf den Fuß drauf und die scheinen es nicht mal zu bemerken.“ So erlebe ich es täglich bei Mensch und Pferd und ich sehe das völlig wertfrei, denn es ist nicht das eine gut und das andere schlecht, sondern es ist so wie es ist und jedes Lebewesen ist anders und reagiert anders auf mich und meine Ausstrahlung und wenn ich es schaffe mich in mein Gegenüber, egal ob Mensch oder Pferd hinein zu versetzen, dann schaffe ich womöglich auch Lösungen für die vorhandenen Herausforderungen.

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de

Liebe Grüße Christiane Göbel

Probleme beim Schmied – die 6 wichtigsten Tipps

Kennst Du das auch? Der Schmied kann sein Werk nicht beenden, weil das Pferd den Huf nicht mehr hebt oder schlimmer? Sicherlich gibt es viele Gründe hierfür und ich werde die mir meistbekannten hier aufführen und behandeln.

  1. Das Pferd hat körperliche Beschwerden, die das heben und/oder länger halten des Beines nicht ohne Schmerz erlauben. Wenn dies der Fall ist, dann muss natürlich am besten zuerst der Schmerz beseitigt werden und ist dies nicht möglich und der Einsatz des Schmiedes dringend notwendig, dann kann man das Pferd mit schmerzlindernden Gaben vor dem Einsatz des Schmiedes helfen. Es gibt auch Pferde, die benötigen aus körperlichen Gründen immer wieder kurze Pausen, oder müssen sich mit z.B. dem Hinterteil irgendwo anlehnen können und dürfen das Bein nicht so steil angewinkelt bekommen. D.h. nicht, dass so ein Pferd zwingend lahm geht oder Probleme beim Laufen hat, es kann explizit mit der Hebebewegung und Beugung des Beines ein Problem haben(wegen Krankheit oder Alter) und sonst über die Koppel springen und rennen.
  2. Das Pferd hat Angst vor Berührung der Beine und hier ist es keine Respektlosigkeit, so wie viele fälschlicherweise denken, sondern tatsächliche Angst oder gar Panik bei Berührung und/oder heben der Beine und dies liegt absolut in der Natur des Pferdes. Bei einem solchen Pferd gehe ich so vor, dass es sich erst einmal mit Berührungen an den Beinen vertraut machen kann. Hier arbeite ich für gewöhnlich meistens mit dem Prinzip von Annäherung und Rückzug an den Beinen, hierfür nutze ich einen Stick oder meine Hände um die Beine an Berührung und anfassen zu gewöhnen. Manchmal binde ich auch eine Tüte an den Stick oder ich nutze den vorhandenen String am Stick. Ziel ist es, dass das Pferd diese Berührung nicht nur aushält, sondern dauerhaft akzeptiert und dies am besten in völlig entspannter Körper-und Geisteshaltung. Dies kann je nach Pferd und Problem oder Wissen des Menschen, Sekunden, Minuten, Stunden, Tage oder Wochen dauern. Die Akzeptanz der Berührung ist die Vorstufe, die überhaupt erst erlaubt, dass ein anheben des Beines möglich ist.
  3. Dann sollte das Pferd die Signale für das Anheben der Beine verstehen. Oft sehe ich Pferde, die sich völlig überrumpelt fühlen beim Anheben der Beine, ängstlichen Pferden macht das noch mehr Angst und respektlose Pferde werden womöglich noch respektloser. Ich persönlich bin hier für klare Kommunikation mit dem Pferd. D.h., wenn ich mit der Hand am Bein nach unten streiche, dann möchte ich persönlich auf keinen Fall, dass das Pferd das Bein hebt. Wenn ich mal einen Verband anlegen, eine Salbe auftragen oder eine Gamasche anziehen möchte, dann möchte ich ein Pferd, dass das Gewicht auf dem Bein lässt und den Huf am Boden wenn ich am Bein entlangstreiche. Deshalb habe ich ein klares Zeichen für Hufe heben, wenn ich also das Bein streichele, kann das Pferd entspannt stehen bleiben und wenn ich dann an der Kastanie die Finger dauerhaft (ohne zu streicheln) an die Haare lege, dann möchte ich, dass es selbstständig den Huf hebt und mir anbietet. Allerdings kann es zu Beginn sein, dass das Pferd auf Berührung der Haare nicht reagiert, dann werde ich nach 3-5 Sekunden den Druck erhöhen, so dass ich nun die Haut um die Kastanie berühre, wenn keine Reaktion kommt, dann werde ich nach 3-5 Sekunden den Muskel um die Kastanie berühren und dann am Schluss, wenn das Pferd das Bein immer noch nicht hebt, werde ich den Knochen berühren und das hat schon was mit kneifen um die Kastanie zu tun. Sobald allerdings das Pferd das Gewicht vom Bein weg nimmt, werde ich es kurz belohnen indem ich den Druck mit meinen Fingern wegnehme oder verringere und sogar streichele. Zuerst möchte ich nur das Wegnehmen des Gewichtes, dann ein leichtes Anheben des Hufes und am Schluss möchte ich gerne, dass mir das Pferd den Huf förmlich entgegen streckt. Dann erst nehme ich den Huf und es hat in diesem Moment natürlich auch selbstständig sein Gewicht auf die anderen 3 Beine verteilt und kommt somit nicht aus dem Gleichgewicht wie es andernfalls oft passiert und dann legen die Pferde sich mit dem Gewicht auf den Menschen. Beim Hinterbein nutze ich für die dauerhafte Berührung das Sprunggelenk. Wenn ich den Huf abstelle, dann lasse ich ihn nicht einfach fallen und auf dem Boden aufschlagen, denn dies passiert bei entspannten Pferden, sondern ich stelle ihn vorsichtig auf den Boden zurück. Man kann diese Art des Umgangs übertrieben vorsichtig nennen, ich nenne es Achtsamkeit.
  4. Wenn das Pferd ein Muster hat, also z.B. bei Berührung der Beine auszuschlagen oder sonstiges, dann ist es hilfreich zuerst einmal dieses „negative“ Muster durch ein neues und positives Muster zu ersetzen und womöglich muss man sich hier manchmal mit sehr kleinen Fortschritten erkenntlich zeigen und diese wertschätzen, damit immer schneller immer mehr Kooperation von Seiten des Pferdes kommt. Auch ist es hier ratsam auf Distanz mit z.B. einem Stick die Beine zu berühren, damit ich in Sicherheit bin wenn das Pferd danach tritt und dennoch weitermachen kann. Wenn ein Pferd 10 Jahre die Erfahrung gemacht hat, dass ein Schmiedbesuch oder Hufe heben Stress bedeuten, dann kann man das manchmal nicht in einer Stunde verändern.
  5. Sollte das Pferd Respektlosigkeit zeigen, dann beginne ich nicht hier beim Hufe heben dies zu korrigieren, sondern ich werde mit diesem Pferd arbeiten, es für Bewegung fragen und hierzu psychische und pysische Energie einsetzen. Nicht nach vorne, sondern seitliche Bewegungen der Hinter-und Vorhand, rückwärts und seitwärts, und darauf achten WIE das Pferd mir anwortet und WIE sehr es sich bemüht. Vor allem werde ich darauf achten, wie das Pferd auf Korrekturen von mir reagiert, und entsprechend eingreifen. Viele Probleme können nicht am Problem selber gelöst werden, da sie schon ganz wo anders und viel früher beginnen. Doch wenn ich erreiche, dass ein Pferd respektvoll auf meine Fragen anwortet und sich auch bemüht für mich, dann lösen sich gewöhnlich sowieso viele Probleme in Luft auf. Respektlosigkeit ist aus meiner Sicht meist leichter zu lösen als Angst, wenn man als Mensch die nötige Präsenz und Erfahrung aufbringt und sein Ego im Griff hat.
  6. Das Pferd macht nur beim Schmiedtermin Probleme und sonst klappt das Bearbeiten der Hufe völlig problemlos. Hier sollte man etwas genauer schauen, ist es tatsächlich so, dass im Alltag das Pferd respektvoll und völlig angstfrei die Hufe von Dir bearbeiten lässt? Versteht es tatsächlich Deine Zeichen und auch alle anderen Punkte sind positiv? Dann schau, was an dem Tag, wenn der Schmied kommt anders ist? Bist Du vielleicht aufgeregt? Laufen im Gegensatz zu sonst viele Leute herum, herrscht eine nervöse, schnelle und aufgeregte Energie auf dem Hof? Es gibt Pferde die nehmen so leicht Energien von Gedanken und Stimmungsschwankungen auf, da reicht ein Streitgespräch und es kann Eure Gegenwart nicht mehr ertragen. Oder ist der Schmied sehr in Eile? Ich ziehe den Hut vor diesem Berufszweig und bin immer wieder erstaunt, was Schmiede alles für Pferde vorgestellt bekommen und über sich ergehen lassen müssen und das dabei so wenig passiert. Doch es gibt auch in diesem Beruf Menschen, die diesen Beruf nicht aus Liebe machen, sondern weil sie ihn gelernt haben und des Geldes wegen oder die Ihr Ego beim Hufe bearbeiten dabei stehen haben(dieses denkt oder sagt so etwas wie „Den Bock krieg ich schon klein.“). Es gibt dann tatsächlich Pferde, die so feinfühlig in ihren Wahrnehmungen sind, dass sie dies spüren und nicht mit diesem Menschen zusammen arbeiten können. Oder wie fühlen Sie sich bei einem Zahnarzt, der einfach über sie hinweg entscheidet und ihnen im Mund herum fuchtelt ohne Gefühl und Kommunikation? Das Pferd kann sich nur zur Wehr setzen indem es sich verweigert. Vielleicht auch strahlst Du Stresshormone und Angst aus, wenn der Schmied kommt und vielleicht wenn alle anderen Punkte abgeklärt sind, hilft es, wenn Du selbst gar nicht dabei bist. Ich kenne auch solche Fälle, in denen plötzlich alles leicht läuft, wenn die Besitzer nicht dabei sind, das kommt doch auf einen Versuch an und wenn das so ist, dann weißt Du wenigstens, dass Du an Dir arbeiten darfst um die zukünftigen Schmiedbesuche zu erleichtern. Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen.Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de Liebe Grüße Christiane Göbel

 

Wie Du ein „braves“ Pferd bekommst…

In den letzten 20 Jahren Horsemanship habe ich immer wieder gesagt bekommen: „Mit Deinen Pferden ist das ja einfach, die sind ja „brav“…“ und wer die Geschichte von meinem Alibaba kennt, durch den ich vor 20 Jahren zum Horsemanship gekommen bin, der weiß, dass ich sogar auf Rat eines Profitrainers schon beim Pferdemetzger angerufen hatte, so gefährlich war der Umgang und das Reiten mit ihm. Im Laufe der Jahre habe ich mit über 1000 Pferden gearbeitet und selbst darf ich im Moment vier Pferde mein eigen nennen, und ich persönlich nutze den Begriff „brav“ nicht, denn es gibt keine „braven“ Pferde, oder alle Pferde sind „brav“, oder womöglich hat jeder Mensch eine andere Definition von „brav“.

Auf Kursen höre ich manchmal die Aussage, warum soll ich mein Pferd berühren, damit es sich mehr Mühe gibt, es ist doch „brav“, es macht mir doch nichts. Hier kommt leider eindeutig zum Vorschein, dass immer noch viele Menschen Ihre Pferde auf eine Art und Weise vermenschlichen, die langsam und schleichend, aber sicher zu „Problemen“ führen kann, denn in einer Pferdeherde reicht es nicht aus, dass ein Herdenmitglied „brav“ ist, ein Herdenmitglied wird täglich in Frage gestellt in Bezug auf seinen Respekt, seinen Mut und seine Führungsqualitäten.

Wenn ich eine Definition für „brav“ finden müsste, die es aber nicht gibt, dann würde ich es so beschreiben: „Brav“ ist ein Pferd dann, wenn es keine Angst hat, also mutig im Leben steht und nicht bei jedem Geräusch und jeder Bewegung erschrickt, denn das kann sehr gefährlich für Mensch und Tier werden. Das alleine reicht mir aber nicht aus, sondern ich werde das Pferd herausfordern um die Wahrheit über diese Pferdepersönlichkeit und seinen Mut heraus zu finden. D.h. ich werde z.B. Plastiktüten an den Stick binden und mit neutralen rhythmischen Bewegungen in unterschiedlichem Tempo in allen Körperbereichen des Pferdes testen, wo die Komfortzone des Pferdes aufhört und es anfängt nervös und ängstlich oder gar panisch zu werden. Ich werde es über, unter und durch Hindernisse gehen lassen um zu erkennen, wie mutig es tatsächlich ist, ich werde es mit allem möglichen und unmöglichen konfrontieren, vor dem Pferde sich erschrecken könnten und herausfinden, wie groß die jeweilige Komfortzone ist. Dann werde ich mit dem Pferd zusammen in seinem Lerntempo diese Komfortzone überschreiten, damit es immer noch mutiger wird, denn es gibt wohl nichts Gefährlicheres als ein Pferd mit Angst.

Viele Menschen allerdings verwechseln Angst mit Respekt, da ängstliche Pferde leicht zu beeinflussen und zu bewegen sind, kann man dies leicht mit Respekt verwechseln, ist es aber nicht und wer das nicht erkennt, darf sich nicht wundern, wenn spätestens beim Reiten oder Hänger fahren Probleme entstehen, denn das Pferd reagiert aus Angst vor dem Menschen, wenn auch nur in einer unterschwelligen Art und Weise. Und es wird der Tag kommen, wo sich etwas zeigt, vor dem das Pferd mehr Angst hat als vor dem Menschen und seiner Korrektur und dann wird’s womöglich richtig gefährlich.

Zu „brav“ gehört auch angemessener Respekt dem Menschen gegenüber, d.h. z.B. dass das Pferd sich jederzeit und überall von mir mit Leichtigkeit bewegen lässt in Richtungen wie rückwärts, seitwärts, Hinterhand und Vorhand kreuzen und dass es jederzeit und überall meinen privaten Raum respektiert und Abstand hält, es sei denn ich frage es näher zu kommen, denn genau so funktionieren die Regeln für Respekt in der Pferdeherde, das hat nichts mit Dominanz und Dressur zu tun, das sind die Spielregeln in jeder Pferdeherde, das ist Natur.

Viele Pferdebesitzer haben hier schon Bauchschmerzen und fragen nach 3 Schritten rückwärts, ob das denn für heute nicht reichen würde und warum das Pferd den Abstand halten soll. Tatsächlich brauchst Du dies überhaupt nicht tun, doch es wird dir wertvolle Informationen liefern darüber, wie viel Respekt Dein Pferd tatsächlich vor Dir hat und wenn du auch hier die Komfortzone immer etwas mehr überschreitest, wird Dein Pferd von Tag zu Tag respektvoller werden. Wenn Du dies allerdings nicht erkennst, weil Du immer zufrieden bist mit dem was Dein Pferd Dir sowieso schon anbietet(und Pferde sind sehr soziale und oft gutmütige Tiere), dann darfst Du Dich nicht wundern, wenn in außergewöhnlichen und neuen Situationen die oft unangenehme Wahrheit ans Licht kommt.

Ich mag es einmal so beschreiben, wenn ich ein gebrauchtes Auto kaufe und es hat die Farbe rot und nach 2 Jahren fährt ein Kind mit dem Fahrrad zu nah an dem parkenden Auto vorbei und macht einen Kratzer in den Lack und plötzlich siehst Du am Kratzer, dass dieses Auto tatsächlich ursprünglich blau war und anscheinend mal überlackiert wurde. Du hast 2 Jahre lang geglaubt, dass dieses Auto rot sei und warum kam diese Wahrheit nun ans Licht? Weil jemand am Lack gekratzt hat!

Bevor ich ein Pferd reite, „kratze“ ich immer erst am Lack, auch wenn ich es schon lange kenne, denn Pferde leben nur im Hier und Jetzt und Regeln und Rangfolgen werden von Pferden ein Leben lang immer wieder mal in Frage gestellt, je nach Naturell des Pferdes öfter oder seltener, das ist die Natur des Pferdes. Wenn ich am Lack kratze, indem ich das Pferd frage, wie sehr es sich bemüht für mich und an seine Toleranzgrenze komme, dann werde ich herausfinden, wie es reagiert, wenn ich diese überschreiten werde. Denn wenn ich dies vor dem Reiten oder z.B. Hänger fahren kläre, dann kann mir das in einem Ernstfall meine Gesundheit und sogar mein Leben retten und das meines Pferdes. Ja ich dramatisiere es vielleicht etwas, weil viele Pferdebesitzer dies verharmlosen und dann oft schlimme Erlebnisse haben. Sie erkennen den Zusammenhang nicht und Sie erkennen auch nicht, dass wir Menschen IMMER und in JEDEM Moment mit dem Pferd zusammen, gewollt oder ungewollt, mit unseren Gedanken, Glaubenssätzen und Handlungen Informationen ans Pferd senden, die über sein Verhalten entscheiden. Und dieses Verhalten gefällt uns oft nicht, obwohl wir es bewusst oder unbewusst mit verursacht haben.

Viele denken auf Events auf denen sie mich treffen, dass ich wohl immer nur „brave“ Pferde besitze und jene, die mit einem meiner Pferde als Leihpferd Kurse buchen, denken doch tatsächlich, dass meine Pferde wie Maschinen oder Computer, das einmal von mir einprogrammierte, von jedem x-beliebigen Menschen abrufen lassen. Dem ist nicht so!!!!!!

Auch meine Pferde sind Pferde geblieben und entscheiden von Mensch zu Mensch, was sie tun und wie sie reagieren und wenn jemand mein Pferd mal für zwei Wochen mit heim nehmen würde, dann würde es sich nach diesen zwei Wochen etwas mehr anfühlen als Pferd von demjenigen, der es zwei Wochen hatte. Und wenn ich egal welches Pferd von Schülern für zwei Wochen mit mir nach Hause nehme, dann wird es sich nach zwei Wochen etwas mehr wie eines meiner Pferde anfühlen. Doch wie lange hält das an, leider nur einen kurzen Moment, bis das Pferd sich auf das neue Gegenüber eingestellt hat und dann den Menschen spiegelt, der ihm nun gegenüber steht.

Dies ist auf jedem Kurs von mir zu sehen, denn im Laufe von 2 Tagen hatte ich fast immer jedes Pferd einmal kurz „in der Hand“ und für diese Momente mit mir, sind diese Pferde andere Pferde und wenn ich sie zurück an die Besitzer gebe, dann hält das manchmal noch kurz an, aber schnell stellt sich das Pferd wieder auf den anderen Menschen ein und nur wenn dieser Mensch etwas an sich selbst verändert, wird sich auch das Pferd verändern. Doch selbst dies reicht vielen Pferdebesitzern nicht aus um anzuerkennen, dass tatsächlich das Pferd immer nur Spiegel vom Besitzer und seiner Energie ist und sie finden Gründe(manche würden Ausreden dazu sagen) warum das Pferd nicht so reagiert wie gewünscht. Dieses Pferd sei eben anders und hätte diese und jene Erfahrungen gemacht und deshalb gehe dies oder jenes einfach nicht. Mag sein, dass dies manchmal so ist, doch meistens sind Pferde tatsächlich nur in diesem Moment zuhause und können selbst mit einem Alter von 30 Jahren und egal welchen Erlebnissen, sofort alte Muster verändern, was uns Menschen ja oft schwer fällt.

Hier fällt mir ein passendes Zitat von Friedrich Nietzsche ein: „Manchmal wollen die Menschen die Wahrheit nicht hören, weil sie nicht wollen, dass Ihre Illusionen zerstört werden.“

Wie also bekommst Du ein „braves“ Pferd? Indem Du die Verantwortung für Deine Handlungen mit deinem Pferd übernimmst und am Lack kratzt um die ECHTE Farbe der Persönlichkeit Deines Pferdes zu erkennen. Indem Du am Lack kratzt um die Komfortzone von Mut und Respekt Deines Pferdes zu erkennen und dann diese Komfortzone täglich größer machst, dies hilft Dir und auch Deinem Pferd bei Eurem gemeinsamen Wachstum. Dann bekommst Du ein wirklich Mutiges und Respektvolles Pferd und dann kannst Du anfangen all die Dinge zu tun, die Du eigentlich mit dem Pferd tun wolltest. Und sollte Dir das noch nicht gelingen, weil Du selbst noch nicht die Veränderungen in dir selbst, in Deinen Gedanken, Handlungen und Deiner Energie herbei führen kannst, dann suche Dir eine/n passenden Trainer/in, der/die Dich auf diesem Weg der Veränderung begleitet. Denn nichts ändert sich, wenn Du Dich nicht selbst veränderst und das ist auch im restlichen Leben so(privat, beruflich, partnerschaftlich etc…),das heisst aber auch, Du hast die Macht alles zu verändern, was Du bereit bist zu verändern. So lange Du die „Schuld“ bei anderen suchst(egal ob Pferd oder Mensch), haben diese anderen Macht über Dich, und tatsächlich hast Du in jedem Moment Deines Lebens die Möglichkeit dies zu verändern! Selbst der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt……

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

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Liebe Grüße Christiane Göbel

Was ist „gutes“ Reiten?

Als ich diese Woche mit meiner Araberstute das schöne Wetter für einen Ausritt nutzte, stellte ich mir selbst die Frage „Was ist gutes Reiten?“ und stellte fest, dass diese Frage nicht so einfach zu beantworten ist, auch wenn ich mit inzwischen über 1000 Menschen und ihren Pferden gearbeitet habe.

  1. Manche sagen, das kann man an den Turniererfolgen sehen und dennoch habe ich Reiter gesehen, die zwar Pokale und Schleifen im Schrank stehen haben, aber wenn ich diesen Paaren beim Reiten zusehe, erinnert das manchmal eher an Schwerstarbeit oder einen Zweikampf zwischen Mensch und Pferd als an harmonische Zweisamkeit und Leichtigkeit. Vielleicht haben Sie ein Pferd mit Talent, oder keine so starken Mitbewerber am Turnier oder ist das Gutes Reiten?
  2. Dann gibt es die Aussage, dass Leichtgewichtige Reiter besser reiten als schwergewichtige Reiter und dennoch habe ich stark übergewichtige Reiter gesehen, die sich mit so einer Harmonie und Leichtigkeit in einer Einheit mit dem Pferd bewegten, dass es eine Freude war zuzuschauen. Und ich habe völlig untergewichtige Menschen gesehen, die so beweglich erschienen wie eine Eisenbahnschiene. Ist das dann Gutes Reiten?
  3. Manche machen das an der Haltung des Pferdes fest und verwechseln ein auf der Vorhand laufendes Pferd, das mit der Nase auf dem Boden schleift mit Vorwärts-abwärts oder ein zusammengeschnürtes und hinter der Senkrechten laufendes und verspanntes Pferd mit Versammlung. Ist das Gutes Reiten?
  4. Andere behaupten, dass jemand, der sich auf einem durchgehenden und/oder wild bockenden Pferd halten kann ein guter Reiter sei, sind also Rodeoreiter gute Reiter?
  5. Es gibt Menschen, die behaupten, dass Springreiter besser reiten können, und andere sind überzeugt davon, dass nur Dressurreiten die Vollendung der Reiterei ist. Wieder andere für die ist nur Westernreiten gutes Reiten und für andere Wanderreiten und Geländereiten. Ist das so?
  6. Auch habe ich schon die Behauptung gehört, dass nur wer sich traut in der Gruppe im Gelände im Galopp übers Stoppelfeld zu flitzen ein guter Reiter sei, während die Gegner behaupten, diese Pferde würden nur unkontrolliert durchs Gelände heizen. Ist das Gutes Reiten?
  7. Dann gibt es immer mehr Reiter, die der Meinung sind, dass nur wenn Ihr Pferd Piaffe, alle Seitengänge und fliegende Wechsel kann, man von Gutem Reiten sprechen könne. Ist das dann Gutes Reiten?
  8. Manche Profis unter den Reitern, die sprechen von gutem Reiten, wenn ein vom Gebäude vorzügliches Pferd im perfekten Rahmen vorgestellt wird, egal wie es sich dabei mental und emotional fühlt. Und ein körperlich von der Natur benachteiligtes Pferd, das mit viel Aufwand dennoch nur mittelmäßig daher kommen kann, durchs Raster fällt, auch wenn es sich gut zu fühlen scheint und in Harmonie mit seinem Reiter ist. Was ist dann gutes Reiten?

Tatsächlich bin ich überzeugt dass Gutes Reiten nichts mit der Reitweise, der Ausrüstung, der Rasse, dem Gewicht von Reiter und /oder Pferd, der Gangart oder den Turniererfolgen usw….. zu tun hat.

Sicher sollte jeder Reiter zuerst einmal bestrebt sein körperlich so fit zu sein, dass er in allen Gangarten einen völlig zügelunabhängigen Sitz hat und das Pferd nicht stört oder gar behindert. Dann sollte er auch mental und emotinal fit sein und immer die Ruhe bewahren können, auch in brenzligen Situationen um das Pferd zu stärken. Und dann ist es sicher sehr hilfreich die Hilfengebung so zu verfeinern, dass es ohne Kraftaufwand geschieht und an einen Tanz erinnert. Hierfür ist sicher auch Kenntniss über die Biomechnik von Mensch und Pferd notwendig sowie eine gute Motorik gepaart mit einem guten Timing und Gefühl.

Gutes Reiten ist für mich ein Mensch-Pferd-Paar, dem man gerne zuschaut, das sich in Harmonie, Spaß und Selbsthaltung bewegt, egal ob im Gelände oder im Parcour. Ein Pferd, dass seinem Alter und seinen von der Natur mitgegebenen körperlichen, geistigen und emotionalen Ressourcen entsprechend vorgestellt wird, mit dem Reiter, der wiederum mit seinen von der Natur mitgegebenen körperlichen, geistigen und emotionalen Ressourcen entsprechend umgeht und das Beste draus macht.  Unabhängig von Rasse des Pferdes, Gewicht von Reiter und Pferd und der Reitweise. Ein Paar, das keinerlei mechanische Hilfs-und Zwangsmittel benötigt, eine Einheit, wo man Mühe hat, die Hilfengebung zu erkennen, so viel Leichtigkeit und Sensibilität, dass man denken würde, Mensch und Pferd sind eine einzige Person, wie ein Pegasus, als ob die beiden nur in Gedanken telepathisch kommunizieren würden. Das ist für mich gutes Reiten, gutes Reiten lässt sich nicht in ein Schema pressen, es ist das Gesamtbild und das Gefühl das entsteht, wenn man es sieht. Dies ist meine Erfahrung und meine Meinung und gerne darf sich hier jeder sein eigenes Bild von gutem Reiten machen, denn – Es gibt so viele Wahrheiten auf der Welt wie es Menschen gibt!

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

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Liebe Grüße Christiane Göbel

10 Punkte die verhindern können, das mein Pferd unterm Sattel angaloppiert!

Kürzlich fragte mich eine Schülerin, wie sie denn das Problem lösen könne, dass Ihr Pferd unter dem Sattel nicht angaloppieren will und ich erklärte ihr, dass dieses Problem bei Ihr und Ihrem nicht erst unter dem Sattel beim angaloppieren entsteht, sondern ich bei unserem Zusammensein erkannt habe, dass es schon viel früher entsteht, nämlich schon beim auf halftern des Pferdes im Offenstall!

Natürlich kann es sehr viele mentale, emotionale und physische Gründe habe, warum ein Pferd unter dem Sattel nicht angaloppiert, doch speziell in diesem Fall war es genau so.

Ich sehe diese Schülerin und das Pferd regelmäßig und es ist wie ein roter Faden, der zu dem Problem mit dem nicht angaloppieren wollen unter dem Sattel führt. Jetzt wirst Du vielleicht sagen, wenn Du die ganzen Punkte liest, was hat das mit dem angaloppieren zu tun, doch die Lösung wird Dir am Schluss einleuchten. Beachte, dass es sehr verschiedene Pferdepersönlichkeiten gibt und nicht alle würden so reagieren, auch wenn der Weg derselbe ist, doch dieses Pferd mit dieser Persönlichkeit zeigt genau diesen Ablauf.

  1. Es fängt schon an, wenn die Schülerin das Pferd auf halftert, denn sie achtet nicht darauf, dass das Pferd ihr dabei hilft, ihr entgegen kommt, den Kopf tief absenkt und ihre Richtung dreht. Hier schon entscheidet sich wie kooperativ das Pferd mitarbeiten wird.
  2. Beim putzen ist dieses Pferd etwas speziell und manchmal passt es dem Pferd einfach nicht die Bürste in bestimmten Körperbereichen zu dulden und es deutet an zu beißen oder es dauert dem Pferd alles zu lange und es hebt fordernd ein Vorderbein und wird ungeduldig. Auch hier achtet die Schülerin nicht auf die Kooperation mit dem Pferd.
  3. Auf dem Weg vom Anbindeplatz zum Hoftor ist das Pferd etwas unachtsam, läuft mal zu dicht auf ohne die Korrektur von der Schülerin überhaupt ernst zu nehmen und diese fügt auch nichts mehr hinzu, so dass das Pferd nun schon zum mindestens Dritten mal heute respektlos ist ohne korrigiert zu werden.
  4. Auf dem Weg zur Reithalle kommt es auch zu dem ein oder anderen Moment, wo das Pferd nicht aufpasst, die Schülerin und ihre Zeichen und Korrekturen ignoriert und dies alles in einem kaum bemerkbaren Bereich. Also im Grunde fällt dies alles kaum auf, es läuft auf einem fast unmerklichen Grad ab und es ist schon mindestens das vierte mal, dass das Pferd heute respektlos und unachtsam reagiert ohne angemessene Konsequenzen.
  5. In der Reithalle, schon beim betreten und ablegen der mitgebrachten Utensilien, kommt das Pferd immer wieder in der „privaten“ Bereich des Menschen, ohne ernsthafte Korrektur zu erfahren, es scheint den Grad der Korrektur zu ignorieren oder auszusitzen, so niedrig ist die Energie der Korrektur. Schon mindestens das fünfte Mal heute lernt das Pferd, dass es den Fragen und Wünschen der Schülerin nicht nachkommen braucht und es nur lange genug ignorieren muss und die Schülerin stellt ihre Zeichen ein. Also mindestens 5 Mal hat das Pferd in der kurzen Zeit schon die Erfahrung gemacht, dass es sich keine Mühe geben braucht und nicht respektvoll sein muss.
  6. Am Boden arbeitet die Schülerin mit dem Pferd und bewegt es in verschiedene Richtungen, die Hinterhand, die Vorhand, rückwärts, seitwärts. Es macht den Anschein, dass die Schülerin ein bischen was anfragt beim Pferd und das Pferd ein bischen was macht für sie, oft muss sie vielt tun, damit das Pferd wenig macht. Es läuft alles auf Energiesparniveau ab, das Pferd zeigt kein Bemühen und verhält sich kaum bemerkbar respektlos. Inzwischen alles mitgerechnet, sind wir bestimmt schon bei 10 Mal oder mehr, in denen das Pferd gelernt hat, dass es sich nicht bemühen muss und Reize des Menschen nur lange genug aussitzen muss um sie abzustellen.
  7. Als die Schülerin dann am Boden das Pferd fragt im Kreis um sie herum zu laufen, läuft es wie in Zeitlupe und als sie für schneller fragt, wirft das Pferd unwillig den Kopf und als sie dann nochmal nach mehr fragt, wird das Pferd völlig abwehrend(schließlich musste es sich die letzten 20 Minuten mit diesem Menschen auch nicht anstrengen, warum sollte es dies jetzt tun) die Anfrage des Menschen übersteigt deutlich den Komfortbereich auf den sich das Pferd die letzten 20 Minuten eingestellt hat und das Pferd steigt, springt in die Luft und zeigt deutlich seinen Unwillen, die Gangart zu erhöhen. Schließlich erreicht die Schülerin doch noch eine schnellere Gangart, doch es hat nicht die Qualität erreicht, dass das Pferd wirklich bereit war mehr zu tun.
  8. Als die Schülerin dann in den Sattel steigt, macht das Pferd nach dem Aufsteigen einfach schon mal 3 Schritte nach vorne, sie bremst zwar das Pferd mit deutlichem Aufwand, aber korrigiert nicht die 3 Schritte.
  9. Beim Anreiten dann, muss sie viel Schenkel- und Körperhilfe bringen, das Pferd ist zäh am Zügel und zäh am Schenkel, es sieht alles mehr wie ein Tauziehen und Armdrücken aus, als wie Leichtigkeit und Sensibilität beim reiten. Das Antraben verläuft ähnlich wie das Anreiten im Schritt und wieder findet keine Korrektur statt.
  10. Und als die Schülerin dann angaloppieren will, sagt das Pferd ganz deutlich, das dies nun seinen Grad an Gutmütigkeit und Bequemlichkeit für heute deutlich übersteigt und es nicht bereit ist zu galoppieren. Das Pferd wirft den Kopf und deutet an, zu bocken, wenn die Schülerin mehr fragt.

Kannst Du erkennen, dass dieses Problem nicht erst bei Punkt 10 anfängt, sondern sich von Punkt 1 bis 10 wie ein roter Faden durchzieht und dann zum deutlich erkennbaren „Problem“ wird. Wenn Du nun anfängst, das Problem an Punkt 10 zu lösen, dann ist dies für einen routinierten und sattelfesten Reiter sicher möglich, den das Pferd mit dieser Persönlichkeit wird wenn die anderen 9 Punkte so verlaufen sind wie geschildert, und Du nun versuchst es bei Punkt 10 zu verändern, womöglich anfangen zu bocken, steigen oder sonst wie seinen Unmut auszudrücken. Wenn Du die körperliche und mentale und emotionale Fitness hast, dies auszusitzen, dann kannst Du das Problem hier lösen. Wenn Du jedoch Mängel bei der körperlichen, mentalen oder emotionalen Fitness hast, dann ist es für Dich sicherer und einfacher, bei Punkt 1 zu beginnen.

Und der schöne Nebeneffekt, wenn Du bei Punkt 1 beginnst schon angemessen zu reagieren und über alle 9 Punkte konsequent, ruhig und bestimmt reagierst und korrigierst, dann wird Punkt 10 womöglich gar nicht mehr als Problem bestehen. „Ein Problem kann nicht auf der Ebene gelöst werden, auf der es entstanden ist.“ Albert Einstein

Ich wünsche Dir nun das Bewusstsein, aus Sicht Deines Pferdes die Dinge zu erkennen und die Achtsamkeit und Erkenntnis, die für Dich und Dein Pferd stimmigen Lösungswege zu gehen. 

Mehr Informationen und Impressum findest Du hier: www.christiane-goebel.de

 Liebe Grüße Christiane Göbel